Dapayk im Interview: “Ein Ding von 10 Minuten und nun 13 Jahre her”

Dapayk & Padberg

Im Rahmen des “Sweet Nothings” Album-Releases stand Niklas Worgt, besser bekannt als Dapayk, Rede und Antwort. Dapayk spricht über allgemeine Dinge wie zum Beispiel die Entstehung seines Künstlernamens, aber auch ausführlich über das neue Album, das er zusammen mit seiner Frau Eva Padberg produzierte.

Hallo Niklas. Auch wenn wahrscheinlich viele schon diese Frage gestellt haben, möchten wir sie noch einmal stellen. Wie bist du auf den Namen Dapayk gekommen und hat er eine spezielle Bedeutung?

Dapayk: Vor Dapayk verwendete ich für verschiedene Projekte verschiedene Projektnamen. Die meisten waren recht bedeutungsschwanger. Wenn sich nach einer Weile die Musik weiterentwickelt hatte, erschien der Projektname albern, also entschied ich nur noch einen Namen zu verwenden. Dieser sollte keine tiefere Bedeutung haben und positiv klingen, also etwas mit vielen A-Lauten. Eines Abends rief dann ein Veranstalter an, der für seinen Flyer ganz schnell den neuen Namen brauchte. Ein Bekannter von mir schaute sich beim brainstormen im Zimmer um und sah eine Spinne an der Wand. Er war Bulgare, “paik” heisst Spinne auf bulgarisch, also addierten wir noch “Da” hinzu, schrieben das Ganze etwas anders und fertig war “Dapayk”. Ein Ding von 10 Minuten und nun 13 Jahre her.

Dapayk

Neben deiner Tätigkeit als Live-Act hast du noch deine eigenen Plattenlabel Mo’s Ferry, Contuse, Fenou und Rrygular, und veranstaltest euer eigenes Event, das I Love Vinyl Open Air, mit. Wie stressig ist es, diese Sachen unter einen Hut zu bringen und bleibt dann auch noch genug Zeit fürs Privatleben? Wie ziehst du dich aus dem Alltag zurück und womit kannst du am besten abschalten?

Dapayk: Naja, ich mache das alles ja nicht allein. Wir sind einige Leute beim Label, die sich die Arbeit teilen. Am Ende greifen all diese Sachen ja auch ineinander. Ich spiele meine Gigs, treffe Leute, die ich cool finde, hole die dann zum I LOVE VINYL. Im Anschluss releasen diese wieder bei uns usw… So richtig frei hat man eigentlich nie! Aber das ist auch kein Problem, wenn die Arbeit die man tut Spass macht.

Seit letztem Jahr habe ich einen Bootsführerschein. Das ist so ziemlich das erste Ding seit Jahren, was ein Hobby werden könnte und nicht mit Musik zu tun hat.

Du hast am Wochenende meistens 2 Auftritte und dies des Öfteren zu Zeiten, an denen normale Menschen schon wieder zur Arbeit gehen oder schlafen. Bereitest du dich auf einen Live-Auftritt speziell vor? Und wie hältst du so einen Marathon, bestehend aus Reisen und Auftritten, durch?

Dapayk: Im Rahmen der Tour spiele ich schon mehr als einmal am Wochenende. Aber ich mache das nicht das ganze Jahr. Ich habe Heidenrespekt vor Leuten, die das über Jahre durchziehen. Für mich wäre das aber nichts. Ich versuche mir die guten Gigs rauszusuchen und muss nicht jede Woche so oft es nur geht und überall spielen. Ich möchte den Job gern noch in 10 Jahren machen können.

Mein Liveset ändert sich eigentlich die gesamte Zeit. Ich verändere mein Setup, um es interessant zu halten. Wenn ich die Gegend oder die Location schon kenne, suche ich auch schon passende Sachen raus.

Die meisten Locations, in denen du spielst, sind bis zum Überlaufen gefüllt. Was glaubst du, begeistert die Leute an dir und deiner Musik so?

Dapayk: Ich hoffe die Leute mögen meine Vielfältigkeit und vermutlich auch, dass ich als Liveact fast wie ein DJ klinge, also das die Titel ineinander laufen.

Welche Platten bzw. welche Tracks gehören zu deinen All-time Favorites?

Dapayk: The Prodigy “Out of space” oder “Smack my bitch up”, aber auch “Back back back” von Matthew Herbert.

Auf deinen Labels veröffentlichst du hauptsächlich Minimal und Techno, mal etwas ruhiger, mal etwas härter. Aktuell erfährt Deep und Tech House einen enormen Aufschwung. Was glaubst du, in welche Richtung sich elektronische Musik generell entwickeln wird?

Dapayk: Techhouse war ja in Facetten immer da. Das Ganze hat momentan nur wieder eine housigere Färbung. Bei härteren Technolabels wie Drumcode kann man aber ebenfalls schon fast wieder von einem Comeback sprechen. Auch der Erfolg des Berghainsounds zeigt, dass es durchaus wieder technoider, künstlicher sein darf. Nach mehreren Jahren Minimaleinheitsbrei scheint es sich jetzt wieder in verschiedene Stile aufzubrechen. Ich finde das ist eine gute Sache! Die Leute müssen sich informieren, wo sie hingehen und entscheiden, ob sie Bock auf einen bestimmten Sound haben und sich somit wieder mehr mit Stilen auseinandersetzen.

2011 ist vorbei, 2012 ist nun auch schon in vollem Gange. Wo war dein bisher bester Auftritt im Jahr 2011 bzw. 2012, oder ist für dich jeder Auftritt gleich?

Dapayk: Natürlich ist nicht ein Gig wie der andere! Ich komme gerade aus Australien von einer kleinen Tour zurück. Ein Höhepunkt war dort das Rainbow Serpent Festival. Unglaublich, 10 000 Leute, irgendwo im Nichts, 3h entfernt von Melbourne, alle verkleidet und “angeschmückt”. Man fährt Stunden durch die Dunkelheit und sieht keine Menschenseele. Irgendwann schmeisst einen der Fahrer mitten in einer Meute feiernder Menschen raus. Das ist immer sehr beeindruckend.

Dapayk Australien

Auf Facebook beispielsweise stehst du deinen Fans Rede und Antwort. Wie wichtig ist dir die Kommunikation mit den Fans und welchen Stellenwert haben für dich die sozialen Netzwerke Facebook, Google Plus, Soundcloud oder auch Youtube im Musiker- bzw. Label-Alltag?

Dapayk: Facebook ist nicht mehr wegzudenken! Myspace ist leider nicht mehr so interessant, dafür Plattformen wie Youtube oder Soundcloud. Wir versuchen da mit unserem Labels schon am Puls der Zeit zu bleiben und die Fans zu informieren. Leider ist das alles sehr zeitaufwendig und bleibt bei mehreren Projekten und Labels manchmal auf der Strecke.

Dennoch passieren bei uns keine Bookings oder das Künstlersigning über Facebook. Dafür ist die Flut zu gross. So was läuft eher noch über die klassische Email oder, logisch, über den persönlichen Kontakt.

Du hast mit deiner Frau Eva Padberg ein neues Album aufgenommen, das am 17.02.2012 erscheint, es heißt “Sweet Nothings”. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Dapayk: “Sweet Nothings” steht für die kleinen unnötigen Annehmlichkeiten, ohne die man irgendwann nicht mehr leben kann. Aber auch für den reduzierten Musikstil, der hier und da mit süsslichen Popelementen spielt.

Dapayk & Padberg - Sweet Nothings

“Sweet Nothings” ist euer drittes Album und die Arbeit daran erstreckte sich über die letzten beiden Jahre. Kannst du kurz den Werdegang des Albums beschreiben? Habt ihr die ganze Zeit am Album gearbeitet oder waren auch hier und da Pausen dazwischen?

Dapayk: Wir haben vor knapp 2 Jahren angefangen nach einem Grundkonzept und ersten Soundideen zu suchen. Das passierte stellenweise noch zeitgleich zu meinem “Decade one”-Album. Seit Anfang 2011 kristallisierte sich ein Sound heraus. Es gab aber keine kontinuierliche Arbeit am Album. Wir sammeln eher Tracks.

Speziell unser Aufenthalt in den österreichischen Bergen hat sehr geholfen. Tracks wie “Fluffy Clouds” oder “Too lazy” sind nahezu komplett dort entstanden. “Backyard” schrieben wir am Pool auf Bali, “Continental Drift” in der Provence usw… Wir haben eigentlich immer ein Ministudio mit dabei und wenn Zeit ist, halten wir Skizzen fest. Im Studio in Berlin wird das dann im Detail ausgearbeitet.

Dapayk Österreich

Die Arbeit am Album “Sweet Nothings” verteilte sich über mehrere Kontinente. Vom Strand in Bali, über Miami, Los Angeles, Berlin bis hin zur Skihütte in den österreichischen Alpen. Gibt es die ein oder andere Geschichte hinter den Tracks?

Dapayk: Die Hütte in Österreich liegt auf 1400m und eines Tages lag nur etwa 50m unterhalb eine geschlossene Wolkendecke im Tal. Nichts war mehr zu sehen. Es war als stünde man am Strand und vor einem lag ein weisses Meer. Man war völlig isoliert. Eva schrieb an diesem Tag die Vocals für “Fluffy Cloud”, wo es um genau dieses Gefühl der Isolation geht.

“Sweet Nothings” wird auf Oliver Koletzkis Label Stil vor Talent veröffentlicht. Nach welchen Kriterien wählst du ein Label für Veröffentlichungen aus und warum hast du dich gegen eine Veröffentlichung auf deinem eigenen Label (z.B. Mo’s Ferry) entschieden?

Dapayk: Mo‘s Ferry steht für eher experimentelleren Sound und wir werden das in Zukunft auch wieder forcieren. Unser Album ging aber schon eher in Richtung Pop. Also musste ein passenderes Label her. Olli und ich kennen uns schon eine Weile und als Dapayk Solo habe ich bereits 2 Platten bei ihm veröffentlicht. Die Zusammenarbeit ist super und unkompliziert, das Album auf SvT zu machen lag also nahe. Stil vor Talent ist eine Megaplattform für Techno mit Popappeal.

“Sweet Nothings” ist vom Stil her recht breit gefächert. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Tracks für ein Album aus und achtet ihr auf die Stimmigkeit der Tracks untereinander?

Dapayk: Die Kurve ergibt sich ganz von allein! Wir sammeln einfach so lange Tracks bis sich ein stimmiger Ablauf erstellen lässt. Neben 2-3 Clubtracks müssen bei uns immer eine Hand voll Listeningtitel dabei sein. Bei den einzelnen Tracks weiss man einfach wann sie fertig sind. Das Gute ist, dass wir nie über Wochen an den Tracks arbeiten. Man geht also nach einer Pause immer wieder mit frischen Ohren an bereits bestehendes.

Die Tracks auf “Sweet Nothings” sind doch recht ruhig im Vergleich zu deinen Live-Sets, wie zum Beispiel das der I Love Vinyl Wintersession 2011. Wird es spezielle Live-Versionen der Albumtracks geben?

Dapayk: Auf jeden Fall. Ich arbeite gerade daran. Es wird Anfang Sommer auch eine Remixsingle geben. Einige Clubversionen werden wir dort mit releasen.

Dapayk & Padberg

Wie gestaltete sich eure gemeinsame Arbeit bei der Produktion der Albumtracks, gab es eine klare Rollenverteilung? Produzierte deine Frau Eva Padberg fleißig mit, oder war sie nur für das Einsingen der Vocals zuständig? Was war euch beim Produzieren der Tracks besonders wichtig?

Dapayk: Der Produktionspart ist schon eher meiner. Eva ist aber die ganze Zeit mit dabei. Die Ideen, die ich ihr zur Inspiration gebe, sind meist nur Loops und entstehen erst weiter, wenn Eva Vocals beigesteuert hat. Wir haben vor Jahren auch mal probiert, Eva Loops bauen zu lassen, aber das fiel dann schnell wieder auf mich zurück. Zum Tracks bauen muss man einfach nerdig sein.

Bitte beschreibe euer Album “Sweet Nothings” kurz in 3 Worten.

Dapayk: Verspielter, melodischer Techhouse

Die “Sweet Nothings” Album Release Tour begann Ende Januar mit insgesamt 5 Auftritten in Australien. Wie waren deine Auftritte? Feiern die Leute am anderen Ende der Welt genauso wie in Deutschland?

Dapayk: Klar, die Leute feiern eigentlich genau wie in Deutschland. Alles ist aber etwas verdrogter, da in Down Under der Alkohol so teuer ist. Wie auf dem Fusion verkleiden sich die Leute und basteln sich für ihre Festivals eine Parallelwelt.

Das waren nun einige Fragen. Wir bedanken uns für das ausführliche Interview, wünschen alles Gute für die Zukunft und kommen zur letzten Frage. Was können wir von Dapayk in Zukunft erwarten?

Dapayk: Mehr Musik. ;)

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

Es gibt 3 Kommentare

  1. André schreibt:

    2

    Habe mir auch gerade das Album gekauft und bin der gleichen Meinung wie Frank. Ein Klangerlebnis, welches sich von Titel zu Titel steigert. Mein persönlicher Favorit des Albums “Sweet Nothings”.
    Danke Philipp für den Tipp. Vielleicht sehen wir uns ja bei der Fiesta Arena am 27.10. Bis dahin, mach weiter so! LG André

    1. Philipp schreibt:

      3

      Das ist schön, wenn man andere Leute begeistern kann und diese sich dann auch das Album kaufen! Ich wünsche weiterhin viel Spaß damit. Und mit der Fiesta, das klappt bestimmt.

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