Pan-Pot im Interview: “Wir haben einfach unser Ding gemacht und können uns freuen, dass es den Leuten gefällt”

Pan-Pot

Ende März erschien die von Pan-Pot präsentierte Compilation mobilee back to back vol. 6, der auch eine DVD beilag, Tourdokumentation und Künstlerporträt zugleich, genial. Außerdem konnte ich mich von Pan-Pot und ihrer musikalischen Klasse Anfang März im Solidoor in Dresden bei einem 3-stündigen Set selbst überzeugen. Im Rahmen der mobilee back to back Tour 2012 standen uns die beiden Rede und Antwort: Dabei geht es um allgemeine Themen, aber hauptsächlich um die Compilation. Das Interview beleuchtet natürlich nicht alle Hintergründe, deswegen kann ich die Dokumentation nur empfehlen.

Pan-Pot

Hallo Tassilo, hallo Thomas. Wann und wie habt ihr beiden euch kennen gelernt? Wart ihr sofort auf einer Wellenlänge?

Thomas: Hallo Philipp!

Tassilo: Hi Philipp, kennengelernt haben wir uns 2003 auf der SAE (School of Audio Engineering) in Berlin. Und ja wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Wir hingen sofort miteinander ab, allerdings waren alle anderen auf einer ganz anderen Frequenz unterwegs :)

Wie seid ihr auf den Namen Pan-Pot gekommen und hat er eine spezielle Bedeutung?

Tassilo: Ja Pan-Pot ist unsere eigene Abkürzung für Panorama Potentiometer. Das ist uns damals im Studio so gekommen als wir nach einem Namen gesucht haben.

Auf Facebook seid ihr beispielsweise mit einer eigenen Fanseite vertreten, auf der es die neuesten Informationen über euch gibt. Wie wichtig ist euch die Kommunikation mit euren Fans und welchen Stellenwert haben für euch soziale Netzwerke wie Facebook, Google +, Soundcloud oder auch Youtube im Musiker-Alltag?

Thomas: Natürlich macht es Spaß mit Leuten zu kommunizieren, die auf der selben Wellenlänge sind wie wir auch und deren Feedbacks zu bekommen. Wir nehmen das ganze aber nicht zu ernst und posten ab und zu auch mal ziemlichen Blödsinn auf Facebook.

Tassilo: Dieses ganze Social Networking kann sehr von Vorteil in Sachen Promotion sein, allerdings ist es auch mit Vorsicht zu genießen. Zu viel Promotion ist uncool und wirkt aufdringlich. Youtube hingegen nutzen wir, glaube ich, ziemlich effizient. Wir haben unseren eigenen Channel und laden auch unsere eigenen Tracks hoch, um sie den Leuten zur Verfügung zu stellen. Lieber so, als wenn Leute sich die Songs auf Rapidshare oder anderen Portalen illegal downloaden.

Pan-Pot

Mit eurem Release “Confronted” im Jahr 2009 habt ihr großartiges Feedback in der Technoszene bekommen und euch in die Herzen vieler Künstler gespielt. Man kann sagen, ihr seid ab dem Zeitpunkt so richtig durchgestartet. Könnt ihr uns ein bisschen von eurem Aufstieg erzählen und wie ihr das ganze selbst wahrgenommen habt?

Tassilo: Ja der Release kam gut an und hat uns sicherlich geholfen. Aber wir machen ja auch schon bisschen länger Musik und es hat sich bislang einfach alles immer weiter entwickelt. Sprich wir hatten nie einen Riesenhit, der uns aus dem Nichts nach oben katapultiert hat, sondern wir haben halt versucht uns konstant zu verbessern und weiter zu entwickeln und eine gewisse “Qualität” zu liefern. Das finde ich grundsätzlich den sympathischeren Weg :)

Inzwischen habt ihr viele weitere eigene Releases hervorgebracht und wart auch für viele andere Künstler als Remixer tätig. Woher nehmt ihr die Inspiration und Kreativität für neue Tracks und Remixe? Spiegelt ein Track die Einflüsse von jedem von euch wider oder ist bei dem ein oder anderen Track einer von euch stärker beteiligt?

Tassilo: Inspiration kriegt man überall her, denke ich. Das können Eindrücke von anderen Künstlern, Städten, Kulturen sein und die Sounds ergeben sich dann, wenn wir damit anfangen an unseren Rechnern zu experimentieren. Bei mir spielt die Tagesstimmung eine große Rolle.

Thomas: Wir arbeiten die meiste Zeit gemeinsam, aber manchmal fängt einer schon mal alleine mit einer Idee an und wir machen es dann zusammen fertig.

Tassilo: Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung. Dann ist es wichtig, dass einer nachgeben kann und dem anderen musikalisch folgen und supporten kann. Das funktioniert meistens ganz gut.

Pan-Pot

Welche Platten bzw. welche Tracks gehören zu euren All-time Favorites?

Tassilo: Schatrax – Mispent Years

Thomas: DJ Hyperactive – Wide Open

Ihr zählt mittlerweile zu den Spitzenacts der Techno-/Tech House Szene und viele Leute schauen hinauf zu euch. Hattet ihr früher Vorbilder und habt ihr sie immer noch?

Thomas: Na klar haben wir viele Vorbilder oder auch einfach Leute, die wir cool finden, vor allem auch sound-technisch. Und das müssen auch nicht die “großen” Namen sein.

Durch eure Arbeit als Duo (Auflegen, Reisen, Produzieren, Labelalltag) verbringt ihr ja sehr viel Zeit zusammen und zwei Leute vertreten meistens auch verschiedene Meinungen. Gibt es da auch ab und an Meinungsverschiedenheiten zwischen euch?

Tassilo: Na klar gibt es die. Wir haben schon unterschiedliche Ansichten in vielen Dingen. Wichtig ist es, dass man dann einen Kompromiss findet. Das ist nicht immer einfach, ist aber die Basis für ein Produzenten Team wie uns.

Thomas: Wir haben schon bei sehr vielen Sachen einen ähnlichen Geschmack und Vorstellungen und das hilft ungemein. Auch wenn man natürlich Kompromisse eingehen muss.

Am Wochenende seid ihr unterwegs und legt meistens mehrmals auf. Was passiert unter der Woche? Wie kann man sich bei euch den Wochenablauf vorstellen? Wie zieht ihr euch aus dem Alltag zurück und womit könnt ihr am besten abschalten?

Tassilo: Also unter der Woche sind wir tatsächlich die meiste Zeit im Studio, vor allem jetzt gerade arbeiten wir an vielen neuen Tracks. Am besten abschalten kann ich, wenn ich Sport mache. Das ist mir sehr wichtig, jeden Tag meine Auszeit zu bekommen und dafür bietet sich Sport eben an.

Thomas: Und geben ab und zu ein Interview.

Die meisten Locations und Festivals, die ihr bespielt, sind mehr als gut besucht. Was glaubt ihr, begeistert die Leute an euch und eurer Musik so? Und was mögt ihr mehr: Festival oder Club? Ist das DJ-Leben mit all seinen Seiten und das damit verbundene Reisen das Leben, was ihr euch schon immer vorgestellt habt oder fehlt euch noch irgendetwas? Wie wichtig ist für euch dabei die “mobilee Familie”?

Tassilo: Ich denke die Mischung zwischen guten Club-Gigs und Festivals macht es aus. Beides hat seinen Reiz.

Thomas: Also eigentlich habe ich mir nie irgendetwas vorgestellt. Wir haben einfach unser Ding gemacht und können uns freuen, dass es den Leuten gefällt. Mobilee hat da natürlich einen großen Anteil und uns von Anfang an unterstützt.

Pan-Pot

Man konnte euch in den letzten Monaten des Öfteren in diversen Awakenings-Videos bei Youtube sehen. Zum Beispiel euer Auftritt am 01.01.2012 im Gashouder Amsterdam, bei dem ein mega Feuerwerk gezündet wurde. Heben sich die Awakenings Events von anderen ab oder ist für euch jeder Auftritt gleich?

Thomas: Die sind echt wahnsinnig mit ihrem Feuerwerk! Da wird’s ganz schön heiß auf der Bühne. Die Time Warp war stimmungs-technisch auch krass.

Tassilo: Sowohl Awakenings als auch Time Warp wird von super professionellen Leuten gemacht, die eine große Liebe zur Musik pflegen. Man merk bei diesen Events, dass dort Ambition und Leidenschaft dahintersteckt und deshalb sind die auch so gut.

Bereitet ihr euch auf eure DJ-Sets speziell vor? Und wie ist die Rollenverteilung bei euren Gigs, spielt ihr klassisch back to back?

Tassilo: Wir spielen praktisch immer Back to Back und binden bei unseren Sets immer noch Tools und kleine Live Gimmicks mit ein.

Thomas: Wir sprechen uns schon ab, was wir spielen wollen und natürlich ist ein Set auf einem Festival anders als in einem Club. Je nach den Gegebenheiten vor Ort bereiten wir unser Set vor, wenn es z.B. Plattenspieler gibt, nehmen wir auch gerne mal ein paar Vinyls mit, die es nicht digital gibt.

Pan-Pot

Back to back ist eine gute Überleitung: Am 26. März erschien der sechste Teil der erfolgreichen mobilee “back to back”-Compilation Serie, für den ihr verantwortlich wart. Mit zwei CDs und einer DVD wird den Musikliebhabern und Fans ein super Paket geboten. Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Tassilo: Sehr zufrieden sogar, ich glaube es passiert nicht so oft, dass ein Label mit einer Compilation auch noch eine DVD veröffentlicht.

Thomas: Und für eine “low budget” Produktion ist die Doku wirklich sehr gut geworden.

Auf CD1 habt ihr eure mobilee Highlights aus 2011 verarbeitet. CD2 besteht aus einem back to back Mix, in dem ihr bisherige, eigene Veröffentlichungen auseinander genommen und mit exklusiven Tracks, Loops und Soundsplittern zu einem neuartigen, bezwingenden Stück Musik verarbeitet habt. Nach welchen Kriterien habt ihr die Tracks jeweils ausgewählt? Material war ja bestimmt für mehrere Stunden vorhanden.

Tassilo: CD1 war sehr schnell zusammen gestellt, indem wir einfach unsere Mobilee Highlights 2011 ausgesucht hatten. Bei CD2 wurde es schon komplizierter, da wir mehrere Konzepte für die Back 2 Back Compilation hatten. Im Endeffekt setzte sich die Idee durch, nur eigene Stücke zu verwenden, da wir so nach Belieben damit machen konnten was wir wollten. Wir haben alle je erschienenen Tracks und Remixe und auch teilweise unveröffentlichten Tracks in eine Abelton Live Session gepackt und dann angefangen damit herumzuspielen. Diese Jam Session dauerte circa eine Woche bis wir die Auswahl finalisierten. Dann ging es darum, einen stimmigen Mix mit detaillierten Edits zu machen. Das dauerte circa zwei weitere Wochen, bis wir dann das Endergebnis hatten.

Thomas: Wir wollten einen kleine Reise durch die vergangenen Pan-Pot Jahre machen und haben da unsere Favorites und markantesten Tracks der letzten Jahre rausgesucht.

Wie kam es eigentlich dazu, dass für eure mobilee “back to back”-Compilation eine DVD mit einer Pan-Pot Dokumentation, die Tourdoku und zugleich Künstlerporträt ist, produziert wurde?

Tassilo: Die back to back Compilation Reihe von mobilee ist ja schon sehr erfolgreich und angesehen, vor allem auch weil jeder Künstler etwas ganz besonderes macht, mehr als einfach nur Tracks aneinander zu mischen. Weil wir immer schon kurze Videos auf Tour gemacht haben, kam die Idee von Anja Schneider, dass wir doch gleich eine ganze DVD also Special für die DVD machen könnten.

Der MTV Regisseur Sebastian Radlmeier hat euch für die Dokumentation begleitet und gefilmt. Über welchen Zeitraum erstrecken sich die Szenen?

Thomas: Das meiste Material müsste in ca. einem Jahr gesammelt worden sein.

Pan-Pot

Im vergangenen Sommer habt ihr eine Einladung von Sven Väth nach Ibiza erhalten, um bei der Partyreihe “Cocoon Heroes” im Amnesia zu spielen. Das war euer erster Live-Auftritt überhaupt. Wird es in Zukunft mehr Live-Auftritte geben?

Tassilo: Der Live-Auftritt hat zwar großen Spaß gemacht, aber auch extrem viel Zeit gekostet. Wir mussten uns das komplette Setup aufbauen und stundenlang proben bis alles passte.

Thomas: Bei dem Live-Set selber haben wir dann aber auch gemerkt, dass wir mehr DJs als Live-Act sind. Es ist halt doch etwas anderes, wenn man als DJ auf die Leute reagieren kann und nicht ein festes Programm abspielt. Wir probieren gerade den neuen Controller von Native Instruments aus, der könnte uns die Möglichkeit geben, noch mehr Live-Elemente in unser Set einzubauen, es wäre dann halb-live sozusagen.

Es ist bekannt, dass ihr eure Auftritte mit Traktor aus dem Hause Native Instruments bestreitet. Aus welchem Equipment besteht euer aktuelles Setup für die mobilee back to back Tour 2012?

Tassilo: A&H Mischer, Traktor, 3 mal X1 Controller, iPad mit Korg Electribe, 2x Plattenspieler für manche Gigs und nen CDJ als Backup.

Wir bedanken uns für das ausführliche Interview und kommen zur letzten Frage. Was können wir von Pan-Pot in Zukunft erwarten?

Thomas: Viel Musik und gute Gigs, darum geht es. :)

Tassilo: Danke für das Interview Philipp!

Über Philipp

Philipp ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

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