Animal Trainer im Interview: „Eigentlich hätten wir am liebsten ein Album gemacht ganz ohne Dancefloor, aber das geht natürlich nicht“

Nach Marc Romboy geht es in Sachen Interviews weiter mit Adrian Flavor und Samy Jackson, besser bekannt als das Schweizer Duo Animal Trainer. Am 28.02.2014 erschien das Debütalbum „Wide“ auf dem Berliner Label Stil vor Talent, ein vielseitiges musikalisches Kunstwerk mit einer Balance zwischen Dancefloor-Grooves und einer ordentlichen Portion Pop. Bekannt sind die beiden aber auch durch ihre vielen Remixe für andere Künstler und Compilations. Im Rahmen der Veröffentlichung erhielten wir die Möglichkeit, den beiden ein paar Fragen zu stellen.

Animal Trainer - Wide

Hallo Adrian, Hallo Samy, am 28.02.2014 ist es soweit: Euer Debütalbum „Wide“ erscheint. Wie fühlt ihr euch dabei? Was erhofft ihr euch von dieser Veröffentlichung und habt ihr euch bestimmte Ziele gesetzt?

Animal Trainer: Ja endlich! Erhoffen ist vielleicht etwas falsch ausgedrückt, da Hoffnung immer auch mit Erwartung und Enttäuschungen verknüpft ist, aber wenn’s nicht grad alle hassen wäre schön. Es wird sich zeigen, wir sind auf jeden Fall jetzt erstmal gespannt und irgendwie erleichtert, dass die Geburt erfolgreich verlief.

Beim Reinhören in euer Album merkt man schnell, dass euch da etwas vielseitiges und abwechslungsreiches gelungen ist. Woher habt ihr eure Inspiration für die Produktionen genommen? Wie kann man sich die Arbeit im Studio bei euch vorstellen? Sind da die Rollen klar verteilt?

Animal Trainer: Jein, am Schluss ist es so, dass wir einfach machen und uns zusammen ins Studio setzen und unsere Synthies anwerfen und mal schauen, was dabei rauskommt. Was aber sicher ist, da Samy (der eigentlich Musiker ist) mehr melodische Inputs bringt und Adi mehr an Details arbeitet. Da war der liebe Gott mit der Geduldsverteilung leider nicht ganz fair.

Hat der Titel „Wide“ für euch eine bestimmte Bedeutung oder beschreibt er euer Album einfach sehr passend? Wie lange habt ihr am Album gearbeitet?

Animal Trainer: Es beschreibt das Album in musikalischer Hinsicht schlicht und einfach passend! Wir finden, der Titel passt sehr gut und daran gearbeitet haben wir eigentlich unser ganzes Leben bis jetzt. Aber am Schluss waren’s effektiv 8 Monate von der Idee bis zur Deadline. Aber wie gesagt: Natürlich sind da viele alte Ideen endlich ans Tageslicht gekommen und Tracks, wo wir einfach nie den richtigen Kontext hatten, sie zu veröffentlichen. Fernab von jeglichen Dancefloor-Erwartungshaltungen und Beatport-Charts! Eigentlich sehr befreiend, sollte man öfters tun.

Animal Trainer

Das Albumformat ist bei vielen Künstlern nach wie vor eine beliebte Spielwiese und Reise durch verschiedene musikalische Genres. Eine Art Geschichte. Wolltet ihr euch mit „Wide“ von euren eher dancefloor orientierten EPs abgrenzen und bewusst etwas anderes erschaffen?

Animal Trainer: Eigentlich hätten wir am liebsten ein Album gemacht ganz ohne Dancefloor, aber das geht natürlich nicht. Dafür müssen wir vielleicht endlich mal unsere Keller-Whisky-Band gründen. Aber klar finden wir beide ein reines Dance-Album irgendwie langweilig und unser Anspruch ist definitiv mehr, als 12 Dance-Tracks aneinander zu reihen. Dafür hat man ja wieder die Möglichkeit, wenn man EPs releast oder Remixe macht.

„Wide“ erscheint auf dem Label Stil vor Talent, für das ihr auch schon einige Tracks und Remixe produziert habt. Wie kam es damals zur Zusammenarbeit mit Stil vor Talent?

Animal Trainer: Wir waren in Thailand und Oli hatte den Bungalow neben uns und irgendwann hatten wir uns genug Mut angesoffen, um Oli ein Demo in die Hand zu drücken und daraus nahm er tatsächlich den Track „Talkshow“ für die „3 Jahre Stil vor Talent“-Compilation und dann ging’s los.

Wann habt ihr begonnen, Musik zu machen und wie habt ihr euch kennengelernt? Habt ihr schnell gemerkt, dass das mit euch beiden gut harmoniert?

Animal Trainer: Samy kommt aus einer Musikerfamilie, hat Musik studiert und noch nie was anderes gemacht. Adi war schon immer DJ und hatte ein Studio zuhause. Kennengelernt haben wir uns im damaligen UG (das heutige Hive) und das war Liebe auf den ersten Blick.

Animal Trainer

Wie seid ihr schlussendlich auf den Name „Animal Trainer“ gekommen?

Animal Trainer: Namen sind Schall und Rauch und es sind diverse Geschichten im Umlauf. Könnt euch eine eigene ausdenken oder eine auswählen ;)

Manchmal seid ihr auch solo unterwegs. Was sind die größten Unterschiede, wenn ihr alleine oder zusammen spielt bzw. unterwegs seid?

Animal Trainer: Solo zu spielen ist nach 8 Jahren „Ehe“ halt so bisschen wie Fremdpoppen. Und tatsächlich auch eine Win-win-Si­tu­a­ti­on für Veranstalter und DJ (keine 2 Flüge, nicht 2 zerstörte Hotelzimmer usw.) und wenn wir dann wieder zusammen spielen, freuen wir uns wieder umso mehr, da wir uns so wieder mehr überraschen mit Tracks, die der andere noch nicht kennt. Wir sind aber der Meinung, dass wir zu zweit doch noch viel besser sind als solo .

Ihr seid neben eurer aktiven Tätigkeit als DJs auch Betreiber des Hive Clubs in Zürich und des Labels Hive Audio. Drei Projekte, die wahrscheinlich viel Zeit verschlingen. Wie kann man sich bei euch einen Wochenablauf vorstellen? Und was macht ihr, wenn ihr gerade keinem der drei genannten Projekte nachgeht?

Animal Trainer: Ja, das ist so und es ist manchmal auch ganz schön schizo, weil wir im gleichen Moment Booker, DJs, A&R und Raver sind und am nächsten Tag selber Demos verschicken. Das gute ist, wir kennen in allen Bereichen beide Seiten, was wir sehr wichtig finden und einem auch erdet und einem auch nicht in exorbitante Gagen-Vorstellungen wegdriften lässt. Unter der Woche sind wir eigentlich relativ bodenständige Typen und feiern keine Orgien und sind nicht nonstop am Feiern. Wir arbeiten beide im und fürs Hive und genießen auch mal ein Tag off mit Freundin und Familie usw.

Animal Trainer

In den kommenden Monaten seid ihr fleißig unterwegs. Zum Beispiel stehen Istanbul, Hamburg, Montpellier, Paris und einige Auftritte in der Schweiz an. In welchen Clubs spielt ihr am liebsten? Gibt es da Favoriten oder auch besondere Events, auf die ihr euch freut?

Animal Trainer: Natürlich ist das Hive unsere Homebase und unsere Spielwiese! Da spielen wir seit 8 Jahren unser Set am letzten Samstag des Monats bzw. Sonntagmorgen und da spielen wir aber auch manchmal anders als in „fremden“ Clubs. Da kennen wir das Publikum und die lassen sich auch auf uns ein und wir spielen da Tracks, die wir uns sonst oft nicht „trauen“ oder die nur hier im Hive funktionieren.

Welcher eurer Gigs war in letzter Zeit euer größtes Highlight?

Animal Trainer: Es gibt zu viele Highlights und es wäre unfair und einfach zu schwierig, einen als Highlight hervorzuheben. Aber ganz sicher ganz weit vorne ist der Warung Beach Club in Brasilien und natürlich unsere Plattentaufe im Watergate Berlin und alle Gigs im Hive! Und natürlich tausend andere, die unvergesslich waren. Weil gute Leute da waren, die nicht nach Hause wollten und die Anlage gut war und die Getränke stark!

Was können wir in Zukunft von euch musikalisch erwarten? Habt ihr für 2014 schon weitere Releases geplant?

Animal Trainer: Jetzt erst mal das Album für sich stehen lassen und mal abwarten, was passiert. Aber wir sitzen, um ehrlich zu sein, schon wieder im Studio und 2014 geht’s definitiv produktionsmäßig Richtung Dancefloor.

Das Interview führte Claudia Thiem.

Wir bedanken uns ganz herzlich für das ausführliche Interview und wünschen euch alles Gute für weitere Pläne und Ideen sowie viel Erfolg mit weiteren Veröffentlichungen.

Über Claudi

Claudi wird euch ab sofort an ihrer Liebe zur Musik teilhaben lassen und euch des Öfteren mit wertvollen Informationen und Berichten auf dem Laufenden halten. Bereits im Jahr 2008 entfachte die große Leidenschaft zur elektronischen Musik, hervorgerufen durch befreundete DJs. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt und im Papierkrieg versinkt, dann vergnügt sie sich auf Partys, Veranstaltungen oder Festivals in diversen Städten. Eine bestimmte musikalische Richtung bevorzugt sie nicht. Egal ob treibende, kraftvolle Beats oder ein paar harmonische Melodien, sie mag Abwechslung, ist offen und entdeckt gerne neue Sachen.

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