Dapayk & Padberg im Interview: „Damals trauten wir uns das Listeningalbum noch nicht“

An diesem Freitag veröffentlichen Dapayk & Padberg knapp anderthalb Jahre nach „Sweet Nothings“ ihr neues Album „Smoke“ – bereits der vierte gemeinsame Longplayer. Mit „Smoke“ bestreiten die beiden neue Wege, indem sich die Musik weg von der Tanzfläche und vom typischen Clubsound bewegt, hin zu düsteren, atmosphärischen Klängen.

Im Interview sprachen Niklas Worgt und Eva Padberg alias Dapayk & Padberg mit uns über die Bedeutung des Albumtitels, den Werdegang des Albums, die Entscheidung pro Listeningalbum, einige Geschichten hinter den Tracks und die gemeinsame Tour in ausgewählten Locations.

Dapayk & Padberg

Hallo Niklas, hallo Eva, im Februar 2012 erschien euer letztes Album „Sweet Nothings“. Knapp anderthalb Jahre später, am 27. September 2013 veröffentlicht ihr euer bereits viertes Album, das den Titel „Smoke“ trägt. War es schon wieder an der Zeit für ein neues Album?

Dapayk & Padberg: Wir hatten zwischen „Black Beauty“ und „Sweet Nothings“ fast 5 Jahre verstreichen lassen. Das sollte so nicht wieder passieren. Wir arbeiten gern zusammen und die lange Pause damals ergab sich eigentlich nur aus der eigenen Faulheit und dass Niklas massiv mit Soloprojekten zu tun hatte. Ausserdem hatten sich bei der Arbeit am Vorgängeralbum schon viele Ideen angesammelt, die aber thematisch nicht passten.

„Smoke“ – ein Titel mit viel Interpretationsspielraum. Wie seid ihr darauf gekommen und welche Bedeutung steckt dahinter?

Dapayk & Padberg: Wir wollten schon lange etwas mit dem Begriff „Smoke“ machen. Ganz ursprünglich kam die Idee, da Niklas‘ Oma in ihrem Stammbaum einen Briten mit dem Nachnamen „Smoke“ fand. Wir fanden das toll, vor allem, weil „Smoke“ so viele Ansätze ermöglicht. Zum einen ist es dieses Ungreifbare, aber auch dieses „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“-Ding. Smoke verschleiert die Sicht und vernebelt die Sinne. Wir hatten dieses Wort schon eine Weile im Hinterkopf, bis sich im September letzten Jahres die ersten Titel vom neuen Album fanden, die eben diesen etwas düsteren Charme versprühten.

Begann die Arbeit schon vor „Sweet Nothings“ oder erst danach? Könnt ihr kurz den Werdegang des Albums beschreiben? Habt ihr die ganze Zeit am Album gearbeitet oder waren auch hier und da Pausen dazwischen?

Dapayk & Padberg: Die ersten Ideen entstanden bereits während der Arbeit an „Sweet Nothings“. Das Album war in der Grundstimmung eher sommerlich und nach einer Weile brauchten wir einen Gegenpol. Die ersten Titel entstanden aber erst um einiges später während eines Urlaubes in der Provence. Die Ruhe und Abgeschiedenheit half uns die ersten Ideen umzusetzen und wir merkten schnell, dass wir, wenn wir mehr in dieser Richtung machen wollen, aus Berlin verschwinden müssen. So mieteten wir ein Haus in den Bergen der schottischen Lowlands und schlossen uns 10 Tage weg. Dort entstanden die Skizzen für 8 Titel. Im Studio in Berlin produzierten wir das Ganze dann über den Winter aus. Alles in Allem saßen wir 6 Monate am Album, wenn auch mit einigen kurzen Unterbrechungen.

Mit „Smoke“ verabschiedet ihr euch von der Tanzfläche: Alle Tracks sind ziemlich ruhig und eignen sich perfekt für die Couch im Wohnzimmer. War das von Anfang so geplant?

Dapayk & Padberg: Wir spürten bereits bei der Arbeit an „Sweet Nothings“, dass uns die Listeningtitel näher lagen als die Clubtracks. Damals trauten wir uns das Listeningalbum noch nicht. Die Grundstimmung von „Smoke“ entstand in der Provence. Wenn man 3 Wochen kein Techno hört, erscheinen 115 Bpm irgendwann wahnsinnig schnell.

Padberg

Wird es spezielle Live- oder Clubversionen der Albumtracks geben?

Dapayk & Padberg: Für das Liveset haben wir die Titel clubbiger gemacht. Es wird auch Remixes geben, die natürlich auf die Tanzfläche abzielen.

„Smoke“ umfasst insgesamt 14 Tracks. Meistens entsteht beim Produzieren mehr Material als man schließlich verwenden möchte. Existieren Tracks, die es aus Gründen nicht aufs Album geschafft haben?

Dapayk & Padberg: Nur einer. Wir experimentierten eine Weile mit 5/4 Takt rum. Das funktioniert erstaunlich gut, leider waren wir mit den Vocals noch nicht ganz zufrieden und so haben wir lieber auf den Titel verzichtet.

Für das Songwriting und das Produzieren erster Skizzen habt ihr euch wieder dem Alltag entflohen. In welchen abgeschiedenen Gegenden habt ihr euch kreativ entfalten können? Gibt es die ein oder andere Geschichte hinter den Tracks?

Dapayk & Padberg: Für das Album haben wir uns 3 Wochen ein Haus in der Provence gemietet und noch einmal 10 Tage ein weiteres in Schottland. Bei der Produktion des Tracks „Some Air“ saßen wir in einem Pavillon umgeben von Lavendel im Garten des Hauses in der Provence. Die Gitarre wurde dort eingespielt. Ebenso stammen die Fieldsamples aus „Pavements“ aus dieser Zeit. Diese beiden Tracks stehen für uns für die „Phase Frankreich“ und somit im Gegensatz zur Zeit in Schottland. Nach einem Besuch des Mary Queen of Scots Museums schrieb Eva dort unter anderem „Headless Queen“.

Dapayk

„Sweet Nothings“ erschien auf Oliver Koletzkis Label Stil vor Talent. Bei „Smoke“ fiel die Wahl hingegen wieder auf das eigene Label Mo’s Ferry. Eine logische Konsequenz?

Dapayk & Padberg: Oliver macht sehr gute Labelarbeit und hat uns völlig freie Hand gelassen. Als wir merkten, dass das Album in diese ruhige Richtung geht, war uns klar, das können wir ihm nicht antun. Es ist einfach ein Experiment und für ein „Dancelabel“ recht gewagt. Daher haben wir uns für unsere eigene Plattform Mo‘s Ferry entschieden.

Bei „Sweet Nothings“ hattet ihr euch entschieden, nicht gemeinsam live aufzutreten, da meist zu viele Leute kommen, die nur Eva Padberg gucken wollen und die Musik gar nicht verstehen. Zu einem Albumrelease gehört dennoch eine gebührende Tour. Seid ihr eurem Motto treu geblieben? Werdet ihr gemeinsam auf Tour gehen?

Dapayk & Padberg: Wir spielen ein paar ausgewählte Gigs in Locations wo wir die Veranstalter und das Publikum kennen. Es ist purer Luxus sich das so aussuchen zu können, aber anders geht es nicht. Niklas ist ja zusätzlich auch noch solo unterwegs.

Dapayk & Padberg

Wo kann man sich denn am besten darüber informieren, wo ihr wann spielt?

Dapayk & Padberg: Am besten man checkt: www.mosferry.de oder die Facebookseite facebook.com/dapayksolo.

Das waren nun einige Fragen. Wir bedanken uns für das ausführliche Interview, wünschen alles Gute für die Zukunft und kommen zur letzten Frage. Was können wir von Dapayk & Padberg in Zukunft erwarten? Plant ihr schon das nächste Album?

Dapayk & Padberg: Nun geht es ja erstmal auf Tour und wenn alles gut läuft, beginnen wir mit der Arbeit an neuen Sachen im Februar. Wir haben uns dazu schon ein Haus in den österreichischen Bergen gebucht. Wir wollen dieses Mal dran bleiben.

Das Interview führte Philipp Elzner.

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.