Impressionen vom FLY BerMuDa

06.11.2010 - FLY BerMuDa - Flughafen Tempelhof Berlin

06.11.2010 - FLY BerMuDa - Flughafen Tempelhof Berlin

Berlin war wieder einmal sehr schön und eine Wochenendreise wert. Die Erwartungen für das im alten Flughafen Tempelhof stattfindende Fly BerMuDa waren im Vorfeld bei mir und allen Musikbegeisterten sehr hoch. Das FLY BerMuDa sollte den krönenden Abschluss der zweiten Ausgabe der Berlin Music Days bilden. Nun folgt meine subjektive Meinung zum Event.

Location

Der ehemalige Flughafen Tempelhof an sich ist eine sehr geile Location für elektronische Musikevents und für derartige Großevents bestens geeignet. Gefeiert wurde in Hangar 1, welcher der Main Floor war, und in Hangar 2, welcher der gemütlichere Club Floor war. Schade, dass man keinen Zugang zu den ehemaligen Abfertigungshallen hatte. Aus den beiden Hangars heraus hatte man Zugang zu einem abgezäunten Teil des Rollfelds. Auf diesem stellten die Veranstalter ein Garderobenzelt, ein Cateringzelt, ein Raucherbereich sowie Dixies bereit. Problem daran war, dass es für die große Anzahl an Besuchern viel zu wenig Ein- und Ausgänge gab, bzw. dass Eingänge auch gleichzeitig Ausgänge waren. Da war Stau und Unmut der Besucher vorprogrammiert. Neben den offiziellen Ein- und Ausgängen existierten noch Notausgänge, durch die auch des Öfteren Leute gelassen wurden. Da dies recht häufig der Fall war, entwickelte sich mit der Zeit eine Arschkälte in bestimmten Bereichen der Hangars (draußen waren nur ca. 4-5°C). So feierten wir dann in Jacken weiter.

Die aufgebauten Musikanlagen waren der Hallengröße entsprechend, sodass ich den Klang als gut und die Musik als sehr druckvoll empfand. Die Anlagen kamen zur vollen Geltung, wenn man sich genau im Schallbereich der Boxen aufhielt. An den Rändern der Hangars klirrten die Glasscheiben nur so vor sich hin, man dachte, dass jeden Moment Glas zu Bruch gehen könnte. Die Location hat definitiv einiges an Potential. Denkbar wäre in der warmen Jahreszeit auch ein riesiges Open Air auf den Rollfeld.


Klirrende Scheiben

Eintritt

46,70 Euro inklusive Vorverkaufsgebühr waren mir das Event mit diesem Hammer Lineup wert. So etwas erlebt man immerhin nicht alle Tage, wobei ich schon wesentlich mehr für einen Abend bezahlt habe (Sensation Amsterdam 71 Euro). Ich bin immer noch der Meinung, dass gute Events und gute Künstler ihren Preis haben. Nur bei 46,70 Euro erhofft man sich dann doch perfekte Organisation.

Lineup

Das Lineup versprach schon im Vorfeld ein musikalisches Feuerwerk, was in meinen Augen aber nicht abgebrannt wurde. Booka Shade waren sehr gut und suchten auch den Kontakt zu den Besuchern, in dem sie diese immer wieder pushten. Das Sven Väth Set war nicht schlecht, aber 3,5 Stunden waren einfach zu lang und er hat auch nur sein Set runtergerasselt (auf 2/3 des Sets hätte ich gut verzichten können). Er war viel mehr damit beschäftigt, mit all den Leuten am DJ-Pult zu quatschen. Paul Kalkbrenner und auch Richie Hawtin hätten definitiv eher spielen müssen. Sven Väth, Paul Kalkbrenner und Richie Hawtin hätte man bestimmt auch in die Zeitspanne von 0.30 bis 6.00 Uhr packen können.

Mitten im Live Set von Paule machten wir uns genervt auf den Heimweg, da die Stimmung im Hangar eigentlich nie richtig vorhanden war, außer in den ersten Reihen. Und dabei wollte ich doch unbedingt Richie Hawtin erleben. Immer öfters stelle ich mir nun die Frage, ist es gut oder schlecht, dass ein Künstler erst um 8.00 Uhr morgens spielt? Denn für mich als Mensch, der keine Drogen nimmt, ist die Zeit von 22.00 bis 6.00 Uhr schon verdammt lang.

Garderobe

Eine Garderobe gab es in dem Sinne nicht, sondern Schließfächer, für die man einen Schlüssel bekam und auch immer wieder rankam, wenn man etwas wollte. Der Grundgedanke ist wirklich gut, wenn da nicht der viel zu hohe Preis gewesen wäre. 6 Euro (+ 5 Euro Pfand) das kleine fach, 7 Euro (+ 5 Euro Pfand) das große Fach. Außerdem ist zu überlegen, ob man die Garderobe das nächste mal nicht im Innenbereich platziert, da man jedes Mal kurzärmlig in die Kälte musste.

Getränke und Bezahlsystem

Die Getränkepreise waren eine Frechheit. Preis und Leistung standen in keinem guten Verhältnis. 8,00 Euro für einen Vodka RedBull in einem viel zu kleinen Becher + 1,00 Euro Pfand ist schon sehr stark. Ich blieb bei einigen Jägermeistern, bei denen der Preis und auch die Leistung stimmte (2,50 Euro je). Das Bezahlsystem war das nächste starke Stück. Bargeldzahlung war nicht möglich. An vorgesehen Ständen musste man Getränkescheine im Wert von 10,00 Euro kaufen. Erst dann konnte man an die Bar. Sicherlich ist das System zur Entlastung des Barpersonals gedacht, jedoch nahm das Abstreichen auf der Getränkekarte mehr Zeit in Anspruch als die normale Bezahlung. Ich bin mir zudem sicher, dass an dem Abend genug Besucher durch fehlerhaftes Abstreichen um einige Euros ärmer waren.

Catering

Um den nächtlichen Hunger zu stillen, gab es sage und schreibe einen (1!) Stand, der zu jeder Zeit überfüllt war. Und der Hunger war verflogen.

Sanitäre Anlagen

Einfach nur eklig, wie in fast jedem Club. Von Dixies ist man ja gewöhnt, dass man diese zu Beginn eines Events nutzen kann, nach einiger Zeit aber lieber eine Alternative aufsuchen sollte. Im Bereich der beiden Hangars gab es zusätzlich Toilettenräume, von denen man erwartet, dass sie auch während des Events gepflegt werden. Die armen Klomädels kamen gar nicht mehr hinter her mit dem Wischmob. Außerdem fand ich mehr Frauen als Männer auf dem Herrenklo vor. Irgendetwas lief da schief…

Fazit

Zusammengefasst war es trotzdem ein schöner Abend, auch wenn ich einiges als negativ empfand. Bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter fürs nächste Jahr ihre Pornobrillen absetzen und sich das Feedback aus allen Kommunikationskanälen – positives sowie negatives – zu Herzen nehmen. Sonst könnte es sein, dass die Besucherzahl im nächsten Jahr bedeutend kleiner wird. Offizielle Besucherzahlen kann ich leider keine liefern. Ich vermute, dass ungefähr 6.000 bis 9.000 Tickets verkauft wurden.

In Kommentaren las ich, dass das FLY BerMuDa von insgesamt 3 Events (FLY BerMuDa, Dream und A&P Summer Rave), die bisher im ehemaligen Flughafen Tempelhof durchgeführt wurden, mit Abstand das schlechteste war.

Videos


Booka Shade @ FLY BerMuDa 2010


Booka Shade @ FLY BerMuDa 2010


Sven Väth @ FLY BerMuDa 2010


Sebo K @ FLY BerMuDa 2010


Paul Kalkbrenner @ FLY BerMuDa 2010


Paul Kalkbrenner @ FLY BerMuDa 2010


Richie Hawtin @ FLY BerMuDa 2010


Richie Hawtin @ FLY BerMuDa 2010


Richie Hawtin @ FLY BerMuDa 2010

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

8 Gedanken zu „Impressionen vom FLY BerMuDa

  1. Martin schreibt:

    1

    Schöner Bericht! Teile in vielem deine Meinung! Mein Fazit: Tolle Musik+Geile Anlage und coole Location ABER zu hohe Getränkepreise und keine besonders tolle Organisation, hinzu kam noch, dass das Männerklo gegen 3, 4 oder wann das war, überschwemmt war -.-

  2. Philipp (House 2 Electro) schreibt:

    2

    Gestern ist im Internet ein Teil des Richie Hawtin Sets aufgetaucht.

    Richie Hawtin (M_nus Records) @ Berlin Music Days – Fly Bermuda, Tempelhof Airport – Berlin – V.I.P. (Download)

    Audio Quality: CBR 128 kbps
    Length: 00:19:12 minutes
    Style: Minimal
    Size: 17,5 MB

    1. Philipp (House 2 Electro) schreibt:

      7

      @Chief Thomson

      Schlecht war es ja auch nicht, wie in meinem kleinen Bericht hoffentlich rüberkommt. Das Lineup spricht auch für sich und es war auch sehr schmackhaft. Jedoch gibt es auch einige Kritikpunkte, die sich die Veranstalter auch zu Herzen nehmen sollten. Kritikfähig scheinen die Veranstalter jedoch nicht zu sein, wenn ich mir deren Facebook Profil so anschaue. Oder der Praktikant durfte antworten.

      Und danke für deinen Blog Link. Hab ich mir gleich in meinem Feedreader gespeichert. Schaut gut :)

  3. Maria schreibt:

    8

    Hallo Philipp,

    danke für deinen bericht. wir fühlen uns in keinster weise angegriffen. Sondern empfinden dein statement sowie die vielen anderen als hilfe für zukünftige veranstaltungen. wie du weißt hat unser kleines team von 5 mann das ganze letztes jahr zum ersten mal organisiert. da bleiben fehler nicht aus. wir müssen genauso dazu lernen wie andere festivals dass am anfang tun mussten oder wie wir es auch in unserem club watergate lernen mussten.
    ich kann dir schon mal so viel sagen, in diesem jahr haben wir viele deiner kritikpunkte berücksichtigt und hoffen dass du viel spaß bei Bermuda 2011 haben wirst.

    Liebe Grüße,
    Maria

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