Jen & Berry’s im Interview: „Wir machen etwas, das uns extrem viel Spaß macht und etwas zurück gibt, das wir von keiner anderen Tätigkeit sonst bekommen können – außer vielleicht Sex“

Mettbrötchen und Gurkentee – das sind sie, die geheimen Wunderwaffen des kreativen Wahnsinns. Und das Ergebnis? Eine „coole Teschno-Fete“! Das experimentierfreudige Berliner DJ-Duo Jen & Berry’s sorgt immer wieder für überraschende Highlights und weiß, wie man mit „Bum-Tschick“ und „Ratta-Peng“ die tanzenden Massen für sich gewinnt. Im Interview sprachen Benedikt und Simon alias Jen & Berry’s mit uns über ihre innige Liebe zueinander, Inspirationen aus der 1€-Kiste, all-time Favorits und die Weltherrschaft.

Jen & Berry's

Seit 2010 zieht ihr nun bereits gemeinsam durch die Clubs und beglückt das Feiervolk mit überraschenden Sets. Wie kam es dazu, dass sich eure Wege kreuzten und von da an ein gemeinsamer Weg entstand? Erzählt mal ein bisschen aus dem Nähkästchen eurer Anfangszeit!

Bene: Da ich es satt hatte, nur den Sync-Button des Hercules-DJ-MP3-Controllers zu drücken, entschloss ich mich das ersparte Geld meiner Großeltern auf den Kopf zu hauen und vernünftiges Equipment anzuschaffen. Als es darum ging, auch ein vernünftiges Mischpult zu bekommen, erinnerte ich mich an Simon, der einen der ersten Extase Podcasts beigesteuert hatte und fragte ihn, ob er mir weiterhelfen könne. Glücklicherweise wollte er sich zu genau diesem Zeitpunkt den Xone:92 von A&H anschaffen und bat mir seinen alten Xone:32 zum Kauf an. Da ich mich sofort in Simon verguckt hatte und wir innige Liebe verspürten, fingen wir auch früh miteinander an, musikalisch rumzumachen.

Simon: Ich sah in Bene damals irgendwie auch ein bisschen den „kleinen Simon“, der sich mit 14 total blauäugig irgendeinen Scheiß-Plattenspieler gekauft hatte, mit dem man nicht wirklich etwas anfangen konnte. Vor einem solchen Fehler galt es meinen jungen Padawan zu bewahren. Doch neben meinem Mutterinstinkt wurde natürlich auch die Lust geweckt, sich auf ein neues gemeinsames Projekt einzulassen, da wir uns schon damals musikalisch sehr gut ergänzten.

Bene: Außerdem sind wir auch noch ganz gut miteinander befreundet und gucken ab und zu gern Bridget Jones.

Eure Sets sind mindestens so bunt und vielseitig wie die Eissorten von Ben & Jerry’s. Aber wie seid ihr Zwei eigentlich auf den Namen Jen & Berry’s gekommen? War ein Eis schuld daran?

Simon: Wieso denken bei unserem Namen eigentlich immer alle, dass wir bei einer amerikanischen Eissorte abgeschaut hätten? Das sind doch alles nur gemeine Unterstellungen! Kein weiterer Kommentar.

In euren Sets vermixt ihr Songs aus den verschiedensten Genres und sorgt damit immer wieder für eine musikalische Überraschung. Wo lasst ihr euch zu so viel Abwechslung inspirieren? Welche Tracks gehören zu euren „all-time Favorites“?

Bene: Ich gehe sehr gern mal Platten shoppen und werfe oft einen Blick in die 1€-Kiste. Neben Loriot und Dr. Med S. H. Wolf’s Psychoanalyse findet man da echte Schätze, die man so vielleicht nicht im elektronischen Kontext erwartet und genau deshalb gespielt werden müssen. Musik ist so vielfältig, warum dann also immer in Schubladen denken? Ich freue mich immer wieder aufs Neue, wenn die Menschen auf der Tanzfläche von einem dieser Tracks überrascht oder sogar überrumpelt werden. Wenn sie dann schlagartig die Tanzfläche verlassen, freue ich mich trotzdem.

Simon: Ich bin relativ häufig im Berliner Nachtleben unterwegs, besuche befreundete Kollegen bei ihren Gigs und sammle dabei meine Inspirationen. Weiterhin werden zugesandte Promos durchgehört und natürlich auch Beatport in regelmäßigen Abständen durchforstet. Was dabei meinem Musikgeschmack entspricht, wird in meine Collection aufgenommen und beim nächsten Gig nochmal auf Herz und Nieren getestet.

Bene: Grundsätzlich guckt Simon immer nur ab.

Simon: Genau, daher hier unsere „all-time- Favorites“ zum Abgucken:

Dr. Dre & Snoop Dogg – Ain’t Nuthin‘ But A G Thang
Andre Lodemann – Where Are You Now (Original Mix)
Federleicht – On The Streets (Kollektiv Turmstrasse Let Freedom Ring Remix)
Donna Summer – I Feel Love
David August – Moving Day
Hans Albers – La Paloma

Wie beginnt die Arbeit an einem Set wie vor kurzem beispielsweise „Coole Teschno Fete“? Wie ergänzt ihr euch gegenseitig?

Bene: Wir treffen uns auf einen Gurkentee und essen erst mal gemeinsam ein nettes Mett-Brötchen. Nach angeheizten politischen Diskussionen legen wir dann einfach drauf los. Bei uns ist eigentlich nur Anfang und Ende aufs Genialste durchdacht. Der Rest ergibt sich spontan.

Simon: Also wenn Bene jetzt zum Beispiel was mit „Bum-Tschick“ spielt, dann weiß ich (für meinen Teil zumindest), dass ich eher was mit „Ratta-Peng“ spielen werde. Klingt jetzt vielleicht komisch, aber ist so.

Bene: Achja. Und Liebe ist wichtig. Immer.

Auf Berlins Bühnen zählt ihr zu gern gesehenen Gästen und habt euch in die Herzen der Tanzwütigen gespielt – ob zum Lautleise Open Air, im Kater Holzig oder Kosmonaut. Wo dreht ihr am liebsten zu Hochform auf und warum? Wie waren eure ersten musikalischen Erfahrungen außerhalb von Berlin?

Simon: Es gibt für uns da keinen speziellen „Lieblingsclub“. Sicherlich gibt es gewisse Abende, die sich immer in unserer Erinnerung halten werden, doch waren das eben Abende, wo das Gesamtbild unvergesslich war. Dazu zählt vor allem eine ausgelassene Crowd, die sich auf uns und unsere Musik komplett einlässt.

Bene: Das sehe ich genau so. Vor allem freuen wir uns, dass uns überhaupt jemand hören will. So komisch das klingt, aber wir machen etwas, das uns extrem viel Spaß macht und etwas zurück gibt, das wir von keiner anderen Tätigkeit sonst bekommen können – außer vielleicht Sex. Und wir dürfen das auch noch öffentlich tun. Sex im Freien nicht. Coole Sache.

Außerhalb von Berlin waren unsere Erfahrungen bisher durchgehend positiv. Gerade ich finde es toll, im Rahmen unserer Gigs auch andere Städte, Clubs und Feier-Menschen zu sehen als nur Berliner Luft zu schnuppern. Grundsätzlich ist die Gastfreundschaft in anderen Städten wirklich überwältigend.

Jen & Berry's

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Nadia El-Nadi von SASOMO Bookings, der ehemaligen Bookingagentur der Bar25?

Bene: Wir hatten die Gelegenheit für unseren Freund William von TIMELESS, der übrigens wirklich tolle Produkte zaubert, im katerholzig, während einer seiner Bastelstunden zu musizieren. Nadia, die auch eng mit dem Kater zusammenarbeitet ist irgendwann an uns herangetreten und hat eine Zusammenarbeit angeboten. Die Einladung haben wir natürlich dankend angenommen, denn neben uns sind verdammt viele tolle und erfahrene Künstler im SASOMO Boot, von denen wir viel lernen und profitieren können. Auch das familiäre Klima von SASOMO schätzen wir sehr.

Gerade in Deutschlands Feierhauptstadt herrscht ein Überangebot an guten Acts. Wie habt ihr es geschafft, euch zu behaupten? Was hebt euch von anderen Künstlern ab?

Simon: Oberstes Gebot für uns ist es, sich nicht zu verstellen. Uns geht es nicht darum, im Zusammenhang mit anderen Künstlern genannt zu werden, weil wir eben „ähnlich klingen“, sondern wir versuchen viel mehr, uns und unserem Sound treu zu bleiben. Weiterhin ist uns der Kontakt zur Crowd und auch unseren Fans und Followern sehr wichtig. Das kann sowohl der stete Blickkontakt während eines Gigs sein, mit dem wir den Leuten vermitteln wollen, dass es eine Bindung zwischen uns und ihnen gibt und wir eben auch wahrnehmen möchten, wie das Publikum auf unsere Musik reagiert. Aber auch die Erreichbarkeit für Lob, Kritik, Fragen und anzügliche Fotos von (vorwiegend weiblichen) Fans über Facebook und Co liegt uns sehr am Herzen.

Bene: Wir sind einfach ein DJ-Duo, das man auch seinen Eltern vorstellen kann.

Was war das bisher verrückteste Ereignis eurer Karriere?

Bene: Wir durften mal bei einer semilegalen Veranstaltung in einem ehemaligen Brauerei Keller (erinnerte auch irgendwie an einen Luftschutzbunker), der von Kopf bis Fuß ziemlich dreckig und feucht war, spielen. Die Anlage war für unseren kleineren Floor so überdimensioniert, dass regelmäßig Putz und Wasser von der Decke gefallen ist. Unsere Cases zeugen noch heute davon. Ein echter Bunker-Rave eben!

Simon: Beim Verlosen von Gästelistenplätzen schickte uns doch eine gewisse Dame wirklich ein anzügliches Foto von sich und wollte damit ihre Gewinnchancen erhöhen. Ob sie zu den glücklichen Gewinnern zählte, lassen wir an dieser Stelle mal offen…

Jen & Berry's

Ihr habt das Betreiben von Extase Berlin zu euren Lebensaufgaben erkoren, wo ihr vielen Undergroundkünstlern mit eurem Podcast eine Plattform für ihr künstlerisches Wirken bietet. Was war der Grundgedanke, der dieses Projekt zum Leben erweckte? Was beinhaltet eure Lebensaufgabe?

Bene: Grundsätzlich war Extase am Anfang als Label mit eigenen Releases gedacht. Doch auch bereits am Anfang nicht ausschließlich als Label, sondern eben als kreative Plattform, die den Austausch zwischen Künstlern aller Couleur gewährleistet. Der Gedanke war, dass man unbekanntere Künstler, die große Dinge produzieren, mit bekannteren Acts zusammenbringt – ein riesiges kreatives Mutterprojekt, das eigentlich allen Interessierten offen steht und vielleicht gar nicht mal so eindeutig definierbar ist. Wir freuen uns jedenfalls, dass Extase immer mehr und mehr wächst und schon großartige Künstler beheimatet hat. Warum Jan Blomqvist am liebsten frühstückt? Findet’s auf Extase heraus.

Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade an einem eurer Sets bastelt, euch um eure Lebensaufgabe kümmert oder ihr als Jen & Berry’s unterwegs seid?

Simon: Ich bin mit dem universitären Teil meines Jurastudiums komplett fertig und muss das alles jetzt nur noch mit dem Bestehen des 1. Staatsexamens zum Abschluss bringen. Danach werd’ ich vermutlich mein eigenes Naildesign-Studio aufmachen oder auf meinem Hund einmal um die Welt reiten.

Bene: Ich starte jetzt im Oktober in mein zweites Jahr im Architektur Studium und bin – wie schon anfangs erwähnt – auf Berlins Flohmärkten und in Plattenläden unterwegs, um nach neuen Ideen für unsere Mixe und Produktionen zu suchen. Übrigens: OYE RECORDS ist fett!

Ein Blick in die Zukunft: Worauf dürfen wir uns freuen? Gibt es Pläne für eigene Veröffentlichungen? Und wie sehen eure musikalischen Träume und Hoffnungen für die Zukunft aus?

Bene: Aktuell sind wir fleißig im Studio unterwegs und basteln an unserem ersten Release, ein genaues Veröffentlichungsdatum, geschweige denn ein Label stehen allerdings noch nicht fest.

Simon: Neben unseren Gigs in Berlin würden wir uns freuen, wenn auch die Anzahl der nationalen Gigs weiterhin wächst. Nach Deutschland kommt Europa. Nach Europa die Welt. Und am Ende werden wir das ganze Universum beherrschen… muhahahaaaa.

Bene: Simon, du lenkst vom Thema ab.

Penis and out.
J+B

Das Interview führte Annegret Franzl.

Merci für das zauberartige und großhafte Interview! Wir wünschen euch Unmengen an Erfolg + Liebe für die zukünftigen Pläne! :]

Über Anne

Anne, Schwafeltante aus Leidenschaft, stürzt sich immer wieder gern quietschvergnügt in die erste Reihe vor die Bassboxen der Städte, um sich beste elektronische Klänge um die Ohren wehen zu lassen. Dabei mag sie vor allem alles, was den Körper von ganz allein bewegt und ordentlich knallt. Es dauert keine Sekunde, bis das aufgeweckte Bündel sich bei guter elektronischer Tanzmusik zum springenden Flummi verwandelt. In ihrem Plattenschrank – die Laptop-Playlist – finden sich vor allem die Genres Dubstep, Techno und Tech House. Zur Zeit laufen Barnt, Gesaffelstein, Karotte und Adam Beyer auf Hochtouren über den Player.

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