Marc Romboy im Interview: „Musik wie Chicago House, Detroit Techno, Breakdance oder Electronic Body Music war das, was mir den Kick gab und bis heute inspirierend wirkt“

Der deutsche Musikproduzent, DJ und Labelchef Marc Romboy veröffentlichte am 7. März sein drittes Studioalbum „Shades“ auf seinem eigenen Label Systematic Recordings.

In Form von drei CDs präsentiert Marc Romboy auf dem aktuellen Album „Shades“ seine Lieblingstracks der letzten Jahre, teilweise unveröffentlichte Remixe und neue Tracks. Das Album zeigt eindrucksvoll Romboys Bandbreite, die von deepen über groovigen bis hin zu technoiden Sounds einige Facetten bietet. Kurzum ein unverwechselbarer, schwer kopierbarer Sound. 20 Jahre Erfahrung im Musikgeschäft spiegeln sich hier wider.

Im Rahmen der Veröffentlichung erhielten wir die Möglichkeit, Marc ein paar Fragen zu stellen – eine Ehre für uns.

Marc Romboy - Shades

Hallo Marc, dein drittes Solo-Studioalbum „Shades“ erschien am 07. März 2014. Es besteht aus drei CDs und geht in unterschiedliche musikalische Richtungen, insgesamt sind es 32 Tracks. Wie kam es dazu, ein Album in diesem Umfang zu veröffentlichen?

Marc Romboy: Ursprünglich wollte ich ein Album mit einer CD machen, jedoch gefällt es mir, manchmal aus klassischen oder erlernten Denkmustern auszutreten und dachte im Herbst letzten Jahres, warum ich nicht ein umfangreicheres Projekt mit teilweise auf anderen Labels releasten Trax und Remixes angehe.

Nachdem ich alle essenziellen Songs, die mir sehr am Herzen liegen, aufgeschrieben hatte, war ich ganz schnell bei drei Discs und wollte nichts wirklich runterwerfen.

Auf dem Album sind deine Lieblingstracks der letzten Jahre, teilweise unveröffentlichte Remixe und neue Tracks zu finden. Fiel dir die Trackauswahl schwer? Wie kam die Auswahl zustande? Du hattest doch bestimmt noch mehr Track in der Pipeline.

Marc Romboy: Die Auswahl kam straight vom Herzen, ohne viel nach zu denken, jedoch sind meine technolastigen Produktionen nicht auf diesem Album. Jeder kann es auch locker auf Headphones oder im Auto hören.

Marc Romboy

Dein Sound umfasst eine weitreichende Bandbreite und wird gern in die Schublade „Düsseldorf meets Detroit“ gesteckt. „Shades“ besteht aus deepen, groovy, souligen, melodiösen und technoiden Sounds. Wie würdest du selbst deinen Sound beschreiben?

Marc Romboy: Ich bemühe mich eine Art von soulful Electronic Music zu kreieren. Elektronische Sounds sind unendlich faszinierend und Sky is the limit, wenn es um deren Programmierung geht. Mir war es stets mega wichtig, eine organische Komponente in meine Songs zu kriegen, sei es durch eine Sängerin, Geräusche spielender Kinder oder einfach nur eine Kulisse einer U-Bahn Station in Kyoto.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Produktionen?

Marc Romboy: Ich habe mich von Kindesbeinen für Musik interessiert, die etwas geheimnisvolles, mystisches und auch dark und industriell beeinflusst sein kann. Ich mochte und mag selten Songs aus dem Mainstream, Nummer eins Hits, die glatt produziert und für jeden einfach mit zu singen waren und sind.

Musik wie Chicago House, Detroit Techno, Breakdance oder Electronic Body Music war das, was mir den Kick gab und bis heute inspirierend wirkt.

Auf deinem Album „Shades“ hast du gemeinsame Tracks mit Künstlern wie Stephan Bodzin, Robert Owens, Gui Boratto, KiNK, Blake Baxter, Rodriguez Jr. oder Tyree Cooper. Wie sah eure Zusammenarbeit aus, habt ihr euch gemeinsam im Studio getroffen?

Marc Romboy: Das war bei jedem anders. Mit Stephan und Rodriguez Jr. gehe ich immer gemeinsam ins Studio. Mit Leuten wie Gui Boratto oder Blake Baxter passiert’s aus der Distanz durch File-Ping-Pong. Letztendlich ist es aber Wurscht, ob man physisch zur gleichen Zeit am gleichen Ort musiziert oder nicht. Entscheidend ist, dass man auf der gleichen Wellenlänge funkt.

Marc Romboy

Letztes Jahr hast du mit Japans Techno-Ikone Ken Ishii ein Album veröffentlicht. 2011 ist zusammen mit Stephan Bodzin „Luna“ entstanden. Dieses Jahr wieder ein Soloalbum. Was ist der Unterschied, wenn du alleine arbeitest oder mit anderen Künstlern zusammen? Wie kann man sich die Studioarbeit bei dir vorstellen?

Marc Romboy: Grundsätzlich musiziere ich super gerne mit einem Partner, da das Teilen einer Leidenschaft etwas wundervolles ist, nichts anderes passiert ja auch im Club, wenn wir DJs performen.

Vor ca. zehn Jahren hast du dein eigenes Label Systematic Recordings gegründet. Hast du es je bereut? Hat sich dein Leben und deine Arbeit dadurch verändert?

Marc Romboy: Nein, ich liebe es. Es ist ein Privileg, Musik von befreundeten Künstlern veröffentlichen zu dürfen.

Beim ADE in Amsterdam hattest du letztes Jahr dein Liveset-Debüt. Wird es in diesem Jahr eine spezielle Tour zum Album geben oder besondere Gigs?

Marc Romboy: Ja, es wird ab jetzt immer mal wieder ausgewählte Live-Shows geben, aber keine spezielle Tour.

Marc Romboy

Du bist jetzt über 20 Jahre im musikalischen Bereich tätig und hast mit Sicherheit sehr viele Erfahrungen gesammelt oder besondere Erlebnisse gehabt. Was war für dich ein ganz besonderer Moment oder ein besonderes Erlebnis?

Marc Romboy: Ich bin nicht der Typ, der oft reminisziert. Sehr viele Erlebnisse aus all den Jahren waren toll und haben teilweise das aus mir gemacht, was ich nun bin.

Nichtsdestotrotz lebe ich im Hier und Jetzt und genieße gerade unser Gespräch.

Auf welche Veranstaltung(en) freust du dich dieses Jahr am meisten? Gibt es da für dich ein Highlight?

Marc Romboy: Es gibt kein Date, was ich herausheben würde, aber ich denke nach, im August Burning Man zu besuchen und im Juli steht meine aller erste Show in Beirut an, auf die ich mich freue. Ich liebe es, an Orten zu spielen, die ich nicht oder nicht gut kenne.

Kannst du uns schon etwas über weitere Releases und gegebenenfalls Kollaborationen in diesem Jahr verraten?

Marc Romboy: Ja, klar, die „10 Years Of Systematic“ steht an, mit vielen exklusiven Tracks anderer Künstler plus ein Album des schwedischen Dub Techno Artist Och. Ich selbst bin schon wieder im Studio, eine Kollabo mit „The Black 80s“ aus Kanada und einen Remix für Terrence Parker und Pezzner.

Das Interview führte Claudia Thiem.

Wir bedanken uns für das ausführliche Interview und wünschen dir viel Erfolg mit deinem Album sowie alles Gute für deine Zukunftspläne.

Über Claudi

Claudi wird euch ab sofort an ihrer Liebe zur Musik teilhaben lassen und euch des Öfteren mit wertvollen Informationen und Berichten auf dem Laufenden halten. Bereits im Jahr 2008 entfachte die große Leidenschaft zur elektronischen Musik, hervorgerufen durch befreundete DJs. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt und im Papierkrieg versinkt, dann vergnügt sie sich auf Partys, Veranstaltungen oder Festivals in diversen Städten. Eine bestimmte musikalische Richtung bevorzugt sie nicht. Egal ob treibende, kraftvolle Beats oder ein paar harmonische Melodien, sie mag Abwechslung, ist offen und entdeckt gerne neue Sachen.

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