Marc Romboy – Voyage de la planète (Hyperharmonic)

Ich merke zunehmend, dass ich immer offener für Musik werde, die über den Tellerrand von reiner elektronische Musik reicht. Gut, oft auch, weil ein Künstler aus der elektronischen Welt etwas anderes macht. Aber auch da musste ich mich erst öffnen. Es ist ein langsamer Prozess. Aber es lohnt sich definitiv.

Ein Beispiel für diese Entwicklung bei mir ist Marc Romboy. Marc Romboy ist einer der einflussreichsten DJs und Produzenten und hat fast die gesamte Geschichte der elektronischen Musik miterlebt und auch mitgeprägt. Dieser Erfahrungsschatz gibt seiner Musik Reichtum und Tiefe. Mit seinem neuen Album „Voyage de la planète“ bricht acht Jahre nach seinem letzten Soloalbum nun ein neues Kapitel in seiner Arbeit an.

Marc Romboy verschmilzt die fremdartigen, faszinierenden Klänge der elektronischen Musik mit der sublimen Schönheit der Klassik. Kein Dance, Keine Beats, Neue Wege und eine Neue Richtung. Ein Listening-Album, das dennoch seine musikalischen Wurzeln und seine Handschrift zeigt.

„Dieses Interesse an klassischer Musik kommt aus einem inneren Bedürfnis heraus.“, erzählt der in Mönchengladbach lebende Marc Romboy: „Wenn ich nach einem Gig im Auto nach Hause fahre, mache ich oft klassische Musik an, um meine Ohren zu heilen.“

Für „Voyage de la planète“ hat Marc nicht nur ein neues Label namens Hyperharmonic (Kompakt) gegründet, sondern sich auch mit neuen Kollaborationspartnern zusammen getan. Neben Keyboarder Ali Khalaj waren der Konzertmeister Miki Kekenji und ein Streicherquartett an dem Album beteiligt.

Weiter unten könnt ihr noch weitere Informationen zum Album finden, da sich nicht alles in drei Sätzen erklären und beschreiben lässt.

Trackliste

1 – Jules Verne
2 – Atome de danse
3 – L‘ universe etrangé
4 – Voyage de la planète
5 – La lune et l’etoile
6 – Phénix
7 – L‘ universe parallèle
8 – La machine du temps
9 – Symphony oblique
10 – Nocturne

Marc Romboy - Voyage de la planète (Hyperharmonic)

Fortführende Informationen zu „Voyage de la planète“

Wie kam es zu diesem unwahrscheinlichen Album? Auf seinen Autofahrten hatte Klassische Musik etwas in Marc angestoßen. Deshalb machte es ihn besonders neugierig, dass die Dortmunder Philharmoniker ihn zu einer Kollaboration einluden, bei der er Werke Debussys bearbeiten sollte. Denn Marc ist alles andere als ein Einzelgänger. Er erklärt: „Es ist wunderschön, mit Menschen zusammen musizieren. Bands und Orchester machen nichts anderes. Das Lonely Wolf Ding, das in der Technoszene verbreitet ist, war für mich nie spannend. Ich finde das gemeinsame Erleben der Musik faszinierend. Da entstehen Dinge, die sonst nicht möglich gewesen wären.“

Bei diesem Projekt hatte Marc eine folgenreiche Begegnung: er lernte Miki Kekenj, den Konzertmeister der Dortmunder Philharmoniker kennen. Marc erinnert sich: „Ich habe zu ihm gesagt: ich würde gerne was mit dir machen. Da hat er geantwortet: ‚Super, gute Idee. Da hab ich Interesse dran. Wie machen wir das?‘ Und ich sagte: Wie man das so macht unter Techno Friends. Ich hab etwas aufgenommen, ein Demo. Guck doch mal, ob du dazu was spielen kannst. Er dann: ‚Ja wie? Aber ich brauch doch Noten!‘ Klassische Musiker sind nicht gewohnt, einfach drauf los zu improvisieren. Das war für Miki eine Inspiration aus der Technowelt. Später haben wir dann auch zusammen produziert.“ Miki erinnert sich: „Ich habe zu Marc gesagt: ‚Möchtest Du mir Klangbeispiele schicken, wie du dir das vorstellst?‘ Aber er sagte nur: ‚Mach einfach mal.‘ Das war für mich ein riesiger Vertrauensbeweis.“ Marc ergänzt: „Zu einem Stück hat Miki keinen Zugang gefunden, und er hat die Streicher dann dran gehängt, nachdem der Bass ausgerollt ist. Und das ist genauso auf das Album gekommen.“ „Ich konnte mich mit dem austoben, was ich gefühlt habe.“, erklärt Miki

Für Miki hat das Projekt auch eine persönliche Bedeutung. Er stammt aus einer Musikerfamilie, hat schon mit sechs begonnen, Geige zu spielen. Er erklärt: „Wenn man da so reingeboren wird, kann man gar nicht sagen, ob das so ganz freiwillig war.“ Mit fünfzehn hat er mit Freunden angefangen, HipHop zu machen: „Durch meine musikalische Ausbildung fiel es mir leicht, an HipHop Tracks zu schrauben. Das lief aber immer streng getrennt von meiner Geige. Irgendwann dachte ich: jetzt soll sich das auch verschmelzen, denn es ist ja beides in mir drin. Es war für mich immer auch sehr anstrengend, das zu trennen.“ So verband er zuerst die Klassische Musik mit HipHop. Später komponierte er Orchesterpassagen für Pop Produktionen. Jetzt kommt mit der elektronischen Musik ein freieres, offenes Betätigungsfeld dazu.

Aber der Transfer verlief in beide Richtungen. Auch Marc hat viel gelernt, etwa: „dynamischer zu arrangieren und zu sagen: Jetzt gibt´s hier mal einen Moment Stille oder ein vorgetäuschtes Ende. Für jemanden, der mit Chicago House und DJ Pierre Arrangements aufgewachsen ist, wo nach acht Takten immer etwas anderes kommt, ist das was Neues.“

Marc hat fast die gesamte Geschichte der elektronischen Musik miterlebt und einen großen Teil davon auch mitgeprägt. Dieser Erfahrungsschatz gibt seiner Musik Reichtum und Tiefe. In der revolutionären Entstehungsphase von House und Techno in den späten Achtzigern hat er die Musik im Düsseldorfer Nachtleben kennengelernt. Anfang der Neunziger war er schon mit seinen Projekten Adam & Eve, Seasaw und Rising Pound und seinem Label Le Petit Prince einer der entscheidenden Figuren der Szene. Nach einem Ausflug in einen poppigeren Technosound besann er sich 2002 auf seine Wurzeln im Classic House und Jack House und gründete das Systematic Label. An Profil hat das Label besonders durch die Singles und die Alben mit Stephan Bodzin bekommen. Marc erinnert sich: „Das war für uns damals nicht absehbar, dass wir eine Art Blaupause produziert hatten, an der sich später viele orientieren würden. Leute wie Tale of Us oder DJ Tennis haben mir erzählt, dass diese Releases für sie prägend und entscheidend waren. Wir haben den emotionalen Faktor in die Musik gebracht.“ Die Alben „Gemini“ und „Contrast“ waren die Emanzipation vom poppigen Sound der Jahrtausendwende. Da hat Marc einen Schlusspunkt gesetzt und sich selbst gefunden. „Luna“ war einen Finalisierung der Arbeit mit Stephan Bodzin. Das Album mit dem legendären Japaner Ken Ishii war der erste Hinweis darauf, wie wichtig für Marc konzeptuelle Alben sind: „Das war kein reines Tanzalbum.“, sagt er: „Da geht es auch um das Hören. Da leckst du Blut.“ Das Interesse an musikalischen Arbeiten, die nicht bloß eine Aneinanderreihung von einzelnen Stücken sind, geht auf Marcs Kindheit zurück. Damals haben ihn die großen LPs dieser Art von Pink Floyd, Kraftwerk oder Tangerine Dream geprägt: „Es geht darum, wirklich den Kopfhörer aufzusetzen und sich für 60 Minuten auf eine Reise zu begeben.“ So ist „Voyage de la planète“ für Marc auch eine Rückkehr zu seinen Ursprüngen. Gleichzeitig ist es ein Anfang, ein Aufbruch in die Zukunft. Er lächelt: „Ich habe das Gefühl, dass sich da noch viele schöne Töne machen lassen.“

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

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