Parra for Cuva im Interview: „Es geht hauptsächlich darum, Gefühle durch die Musik auszudrücken“

Viele der heutigen Künstler verstehen unter ihrem Handwerk das Zusammenmischen bereits fertiger Musikschnipsel. Das Ergebnis: Ein bisschen Einheitsbrei hier, ein bisschen Einheitsbrei da und zwischendrin ein paar verschiedene, wenig neuartige Beats. Zum Glück gibt es da noch Ausnahmen wie den Berliner Produzent und DJ Parra for Cuva.

Er ist einer der vielversprechendsten und vielseitigsten Neuentdeckungen diesen Jahres und ganz nebenbei ein musikalisches Multitalent. Sein Zimmer gleicht einem Musikladen. Unzählige Instrumente bilden die Basis seiner selbst aufgenommenen Samples. Diese Liebe zum Detail hört man auch in seiner Musik, die viel, viel mehr ist als ein Arrangement aus fertigen Musikschnipseln.

Anlässlich seiner am 21. Juni auf dem Label Well Done! Music neu erscheinenden EP „Something Near“ führten wir ein umfangreiches Interview mit Parra for Cuva über seine Liebe zum Klavier, eine perfekte musikalische Woche und eine Schublade voller unveröffentlichter Tracks.

Parra for Cuva

Erst einmal – wie kam es zu deinem Künstlernamen Parra for Cuva und was bedeutet er?

Parra for Cuva: Bevor ich mich Parra for Cuva nannte, gab ich mir den Namen Natur-Klang, aber mit diesem Name wurde ich dann doch sehr schnell unzufrieden. Ich fing an, sehr lange nach interessanten Wörtern zu Suchen, die möglichst exotisch und verträumt klingen sollten und nicht unbedingt eine wirkliche Bedeutung oder Inhalt haben mussten. Dabei sammelten sich im Laufe der Zeit viele spanisch klingende Begriffe, bis ich entschied, mich Parra for Cuva zu nennen. Ich muss dazu sagen, dass ich überhaupt kein Spanisch oder Portugiesisch spreche. Dennoch bekomme ich haufenweise Mails auf Spanisch. Was der Name wirklich bedeutet, wusste ich auch nicht so genau. Ein lustiger Spanier erzählte mir dann einmal, dass Parra so viel wie „zwischen den Welten“ bedeute und Cuva ein Mädchenname sei – Zwischen den Welten für ein Mädchen also.

Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?

Parra for Cuva: Es ist immer schwer zu sagen, um welches Genre es sich handelt – gerade in der heutigen Zeit, wo es so viel Vermischung aus verschiedenen Ecken gibt. Es geht hauptsächlich darum, Gefühle durch die Musik auszudrücken. Ich setze mich aber nie geplant an ein Stück, um eine Situation oder einen Zustand zu beschreiben. Es ist meist so, dass die Titel der Lieder sehr viel Bedeutung tragen und andeuten sollen, in welche Richtung es geht. Viele meiner Stücke haben einen gewissen poppigen Touch, vermischt mit House-Musik. Dennoch halte ich meine Musik als sehr viel vielseitiger. Ich versuche immer, ein bisschen erfinderisch zu sein und mich nicht zu häufig zu wiederholen. Ich produziere auch nicht ausschließlich House-Musik sondern auch viel Downtempo und Klavierstücke .

Dein Set „Plains of Ostara“ beginnt mit Ludovico Einaudis Werk „Andare“. Inwiefern beeinflussten seine Kompositionen dein Schaffen und was reizt dich besonders am Piano? Was hat außerdem deinen musikalischen Stil besonders geprägt?

Parra for Cuva: Ludovico Einaudi ist ein unglaublicher Pianist. Das erste Stück, was ich von ihm hörte, war „Oltremare“. Ich musste als allererstes sofort die 15 Seiten Noten ausdrucken, um es hoch und runter zu spielen, bis ich es komplett auswendig konnte. Seither bin ich einer seiner wirklichen Groupies. Auch nach vier Konzerten kann man nicht genug von ihm bekommen. Man kann sich vielleicht vorstellen, dass, wenn man für viele Jahre seine Stücke lange, lange spielt, es nicht komplett unbeeinflusst an einem vorbeigeht. Generell ist das Klavier natürlich für mich DAS Instrument! Auch nach 11 Jahren klingt es – man mag es kaum glauben – immer noch wunderbar. Auch jedes elektronische Stück entsteht meist durch Skizzen am Piano oder durch komplette Solostücke, die ich dann in einen anderen Zusammenhang ziehe. Ein weiterer sehr empfehlenswerter Künstler ist Bonobo. Auch wenn ich mir niemals anmaßen würde zu sagen, dass meine Musik ansatzweise so gut ist wie seine, hat sie mich doch in gewisser Weise sehr beeinflusst.

Wie bist du allgemein zum Produzieren gekommen?

Parra for Cuva: Ich glaube, ich hatte mir vor vier Jahren ein ganz billiges Programm gekauft, um einfach nur Midi-Klaviernoten als Noten auszudrucken. Das Schöne war, dass dieses Programm auch viele Samples beinhaltete und ich schnell anfing, Klavier mit Hip Hop-Beats zu mischen. Ein Schulfreund brachte mir dann ein wenig mehr darüber bei. Irgendwann konnte ich dann nicht mehr aufhören und wollte immer mehr übers Produzieren wissen. Jetzt ist es sogar soweit, dass ich begonnen habe, Audiodesign zu studieren.

Am 21. Juni erscheint deine EP „Something Near“ auf dem Berliner Label Well Done! Music. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Label?

Parra for Cuva: Als ich unser „Wicked Games“-Cover hochgeladen habe, kam sofort eine Nachricht von Marlon Hoffstadt, Labelgründer von Well Done! Music. Er war ganz hin und weg von dem Cover und auch von „Something Near“. Nach dem ersten Treffen war dann klar, dass Anna und ich die Releases auf Well Done! machen wollten.

Wie gehst du an ein neues musikalisches Werk heran? Wie begann beispielsweise die Arbeit an „Something Near“? Woher nimmst du die Ideen für deine Tracks?

Parra for Cuva: „Something Near“ begann wie die meisten arbeiten mit einer Klavier-Improvisation. Meistens erstelle ich einen Endlosloop und spiele Tausende verschiedene Instrumente ein. Meist endet das in bis zu 80 Spuren. Wenn alles aufgenommen ist, geht’s dann ans Arrangement. Bei „Something Near“ hat das sogar drei Wochen gedauert, bis ich wirklich zufrieden war. Auf Ideen kommt man hauptsächlich beim Produzieren. Manchmal finde ich auch irgendwo verrückte Gesangsschnipsel oder Instrumentalaufnahmen, die ich dann sample. Aber die meisten Ideen kommen einen wirklich nur beim Dasitzen und Hören.

Wie schon für „Fading Nights“ leiht dir auch bei „Something Near“ Anna Naklab ihre Stimme. Wie entstand das gemeinsame Wirken?

Parra for Cuva: Anna und ich machen schon sehr lange Musik. Wir fingen vor fünf, sechs Jahren an, Singer-Songwriter-Lieder zu schreiben. Sie spielte Gitarre und sang, ich war am Klavier tätig. Wie man sich vorstellen kann, waren die Stücke auch sehr ruhig und entspannt. Wir haben uns eigentlich dadurch kennen gelernt, dass wir in der winzigen Stadt, wo wir wohnten, quasi Nachbarn waren. Als wir dann erfahren haben, dass wir beide Instrumente spielen, fingen wir sofort mit dem Produzieren von Songs an.

Wie sieht deiner Meinung nach eine perfekte (musikalische) Woche aus?

Parra for Cuva: Eine perfekte musikalische Woche beginnt mit einem schönen, freien, sonnigen Montag. Da wird erst einmal ein gute-Laune-Liedchen von Georg Harrison aufgelegt und dann mit Kippe, Kaffee und vielleicht einem schönen Set von Bonobo ab unter die Dusche – 30 Minuten kalt duschen. Danach ist man dann fit genug, sich die ersten paar Stunden dem Produzieren zu widmen. Wenn die Sonne dann auch noch scheint, ist natürlich alles verloren. Dann werden die Fenster aufgerissen und meine Nachbarn gegenüber dürfen an dem neuen Stück – ob sie wollen oder nicht – teilhaben.

Der Dienstag und Mittwoch sind dann natürlich auch frei von Uni. Wenn die Sonne immer noch lacht, kann man sich auch gemütlich mit Freunden in den Park setzen. Ich nehme mein Akkordeon mit und spiele tausendmal immer die gleichen Stücke von Yann Tiersen. Mittlerweile hat dann der Song, den ich am Montag begonnen habe, einen ganz akzeptablen Ablauf und Anna kommt vorbei, um ihre Honigstimme drauf zu setzten. Donnerstag wird der Track dann so gut wie fertig. Freitag gibt’s dann ein schönes Konzert, von Four Tet zum Beispiel. Samstag wird dann der Kater auskuriert und ein letzter Feinschliff am Song vorgenommen. Sonntag dann ab aufs Open Air, wo er dann den ravenden Massen präsentiert wird. Montag geht dann alles wieder von vorne los. Schön wär’s schon!

Parra for Cuva

Bevorzugst du den gemütlichen Club oder das luftige Open Air?

Parra for Cuva: Na ja Open Air mit netten Menschen und viel Sonne hat schon was sehr Schönes. Da ich aber auch viele Lieder spiele, die auch sehr ruhige Passagen beinhalten, bevorzuge ich eher den gemütlichen Club, denn sonst gehen die ruhigen Passagen im Freien ganz schnell verloren.

Du sagtest einmal, dass du gern eigene Musiksamples aufnimmst. Welche Instrumente spielst und schlägst bzw. schüttelst du selbst?

Parra for Cuva: Mein Zimmer steht voll von kleinen und großen Instrumenten, über verschiedene Shaker und Percussions und kleinen Instrumenten wie ein Kalimba, Steeldrum, ein paar Kinderglockenspiele, bis hin zu einem Synth, Klavier, Gitarre und zwei Akkordeons. Das Aufnehmen von Instrumenten und Sounds ist in der heutigen Welt des Sampelns sehr untergegangen. Ich finde die Musik bekommt immer ein gewisses Flair mit eingespielten Instrumenten. Wirklich gut kann ich aber nur Klavier spielen.

Welche Erfahrungen haben dich auf deiner musikalischen Reise bisher besonders geprägt? Was war seither dein außergewöhnlichstes Erlebnis?

Parra for Cuva: Das wichtigste Ereignis war eigentlich, als ich vor ein paar Jahren von einer sehr guten Freundin einen riesigen Berg Musik bekommen habe. Davor hörte ich eher wenig Musik und meistens nur solche, die in eine spezifische Richtung ging. Das war dann quasi eine kleine Neugeburt. Ohne diesen Einfluss würde ich wahrscheinlich heute keine elektronische Musik machen (Anmerkung von replaymag: An dieser Stelle Danke an die Freundin!).

Parra for Cuva

Was möchtest du für dich in Zukunft unbedingt noch erreichen?

Parra for Cuva: Als nächstes kommt auf jeden Fall mein Liveset zusammen mit Anna. Neben der Musik studiere ich noch Audiodesign und es gibt ein paar sehr interessante Projekte, wie die Vertonung eines Kurzfilmes mit wirklich tollen und bekannten Schauspielern. Sonst wird aber natürlich ordentlich weiter produziert, mittlerweile auch wieder sehr viel Downtempo.

Worauf dürfen wir uns zukünftig noch freuen?

Parra for Cuva: Die nächste Release nach der „Something Near“-EP ist dann erst mal eine tolle Remix EP von „Fading Nights“. Danach eine weitere EP mit Anna auf Playperview Records, dem Label von HNQO und Fabo, mit zwei sehr ruhigen Nummern. Na ja und sonst freu ich mich über jede Anfrage, denn die Tracks stapeln sich nur so und warten auf einen Release.

Das Interview führte Annegret Franzl.

Herzlichsten Dank für das sehr ausführliche Interview an Parra for Cuva! Jetzt wird erst einmal wie verrückt „Something Near“ über den Player gejagt. Und natürlich freuen wir uns riesig auf die weiteren zahlreichen Veröffentlichungen. Wir wünschen dir dafür eine ordentliche Portion Erfolg und viele freie und sonnige Tage zum Produzieren!

Über Anne

Anne, Schwafeltante aus Leidenschaft, stürzt sich immer wieder gern quietschvergnügt in die erste Reihe vor die Bassboxen der Städte, um sich beste elektronische Klänge um die Ohren wehen zu lassen. Dabei mag sie vor allem alles, was den Körper von ganz allein bewegt und ordentlich knallt. Es dauert keine Sekunde, bis das aufgeweckte Bündel sich bei guter elektronischer Tanzmusik zum springenden Flummi verwandelt. In ihrem Plattenschrank – die Laptop-Playlist – finden sich vor allem die Genres Dubstep, Techno und Tech House. Zur Zeit laufen Barnt, Gesaffelstein, Karotte und Adam Beyer auf Hochtouren über den Player.

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