replaycast #36 – Stefan Helmke

replaycast #36 - Stefan Helmke

Wir freuen uns, euch den 36. replaycast von Stefan Helmke zu präsentieren.

Stefan Helmke ist ganz und gar kein Unbekannter. Er ist Musiker und DJ aus Berlin, schon über 20 Jahre im Business, liebt analogen Stuff und Vinyl, ist Teil verschiedener Musikprojekte, Labelbesitzer und ehemaliger Plattenladenbesitzer.

Zum replaycast stand mir Stefan Rede und Antwort zum Mix, seinen Labels, zum Thema Vinyl und was 2017 noch ansteht.

Wie hast du die Tracks für den Podcast ausgesucht? War dir von Anfang an klar, in welche Richtung du gehen möchtest?

Stefan Helmke: Für den replaycast habe ich meine aktuellen Favorites verwurschtelt, ne Mischung aus Tracks von tollen Musikern und eigenen Sachen. Dabei war es mir auch wichtig, von Deep / Dub bis Techno alles dabei zu haben, denn so lege ich auch nachts im Club auf.

Wie und wo ist der Mix entstanden? Welche Technik kam zum Einsatz?

Stefan Helmke: Aufgenommen habe ich an meinem Pult zuhause mit zwei Technics 1210 und dem Allen & Heath Xone 92 Mixer, wobei neben Vinyl auch Traktor Scratch benutzt wurde.

Mit Blueten und nomo betreibst du zwei Vinyl Labels bzw. bist du Mitbetreiber. Bist du mit der Entwicklung zufrieden?

Stefan Helmke: Es ist viel Arbeit und vor allem Herzblut mit dabei und nach wie vor geht nichts über eine Platte! In der Masse der Digital-Labels wollte ich nie mitschwimmen und somit gibts auch keine Alternative zu Vinyl-Veröffentlichungen.

Nomo (führe ich seit 2015 zusammen mit Remi Bascou) ist noch richtig Underground mit dem Schwerpunkt „Tiefsee“ und kommt ohne Titel- / Interpreten-Angaben. Die Platten werden von Hand gestempelt und der Sound besteht hauptsächlich aus analogen Jam Sessions, die hier in Berlin oder in Paris bei Remi recordet werden. Es gibt kein Facebook, Soundcloud, Youtube, Promo oder sonstiges, dafür findet man Nomo z. B. auch bei Hardwax und anderen eher speziellen Shops.

Auf Blueten (mache ich seit letztem Jahr zusammen mit Leix Gimenö) erscheint hauptsächlich ein Mix aus tooligem Dub House / Techno, der direkt für den Club gedacht ist. Außerdem sind wir mit Blueten auch bei Facebook, Soundcloud und Instagram vertreten und DJ-Bemusterung gibt es auch.

Da der Sound auf Blueten viel zugänglicher und tanzbarer als bei Nomo ist und wir auch im Social Media Zirkus vertreten sind, geht die Entwicklung da natürlich auch schneller von statten. Nomo bleibt aber eine Herzensangelegenheit!

Wie vertreibt ihr eure Platten?

Stefan Helmke: Wir setzen auf eine Mischung aus dem professionellem Vertrieb „come2music“ und Eigenvertrieb, um gezielt in den uns wichtigen Shops vertreten zu sein. Dabei sorgt „come2music“ dafür, dass wir in den wichtigen Online Shops wie z. B. decks, deejay, juno, technique, etc und im Laden um die Ecke vertreten sind. Zusätzlich gehen wir auch immer noch in die Plattenläden dieser Welt und verkaufen direkt am Tresen oder sind bei Bandcamp vertreten.

Bandcamp erlaubt leider nicht mehr das Veröffentlichen von Vinyl-Only-Releases, somit gibt’s dort unsere Tracks auch digital zu kaufen. Das ist zwar ein schwerer Kompromiss, aber die Idee von Bandcamp ist einfach gut und wir wollen dort am Start sein!

Derzeit sind beide Labels nicht bei Beatport gelistet, weil dieser Shop nicht das richtige für uns ist – das könnte sich jetzt erstmals ändern, seit BP die „Leftfield House & Techno“-Rubrik eingeführt hat und damit auch interessant geworden ist. Ansonsten ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum so viele DJs ihren Sound ausschließlich bei BP kaufen, um dann im Endeffekt doch wieder den Sound wie alle zu spielen: ne Mischung aus Verkaufs-Charts und DJ-Charts. Streaming ist natürlich heute auch ein Thema und für uns wichtiger als z. B. Beatport oder Itunes.

Wie siehst du den in den Medien so gefeierten „Vinylboom“?

Stefan Helmke: Es ist schön, dass es in der Werbung, im Elektromarkt und überall wieder um Platten- und Plattenspieler geht und die Leute auch emotional mitnimmt, aber das hat mit der elektronischen Musik ja nicht viel zu tun. Es gibt nach wie vor jede Menge Platten-DJs und das wird sich auch nicht ändern und zusätzlich auch eine ganze Vinyl-Only-Label-Szene, die überhaupt nicht digital veröffentlichen und der breiten Masse somit verborgen bleibt. Nicht unterschätzen sollte man auch den Kreis der Digital-DJs, die sich Platten nur zum digitalisieren kaufen, damit sie im Club nicht nur auf den Beatport-Einheitsbrei angewiesen sind.

Was ist noch geplant für das Jahr 2017?

Stefan Helmke: Volle Konzentration liegt auch dieses Jahr wieder auf den eigenen Labels, aber es wird auch woanders Remixe geben und mindestens ein externes Release. Zusätzlich starten wir eine Vinyl-Partyreihe in Berlin, „Audiodrama“, los geht es am 04.05.2017 in der Burg Schnabel.

Das Interview führte Philipp Storl.

Trackliste

quince – coitus
gimenö & stefan helmke – lilium
nomo 005 aa
sascha rydell – a day ward
octual – as i move
gimenö & stefan helmke – anemone
endian – xs10
massimiiano pagliara – to a far away place
yotam avni – yeezenati
goldffinch – nova
gimenö & stefan helmke – bluebell
resoe – ecto
diego krause – liberation (cab drivers remix)
rumah & progression – warm bodies
franse 005
myles serge – drones
artefakt – somatic dreams

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.