Review: Forbidden Rooms pres. Yetti Meißner im Ex-Ex Superkronik in Leipzig

Da war er also wieder, der 3. Oktober. Der Tag, an dem Deutschland seine Wiedervereinigung feiert. Zwei Tage zuvor erfuhr ich via Facebook von einer Techno-Veranstaltung an besagtem Feiertag, die im Leipziger Club mit dem außergewöhnlichen Name „Ex-Ex Superkronik“ (im Gelände des elipamanoke e.V.) stattfinden sollte. Veranstalter waren Lenny Brookster und co.

Starten sollte das Event bereits um 12 Uhr mittags. Also dachte ich mir: „Warum nicht direkt mal „feiern“ gehen an eben diesem FEIERtag?“ Nur alleine macht das natürlich weniger Spaß. Umso mehr freute ich mich, dass mich unsere liebe Anne auf meinem Trip nach Leipzig begleiten wollte.

Anmerkung Anne: Eigentlich war ich schon wieder schwer beschäftigt mit zahlreichen wichtigen Dingen und wollte einmal der Vernunft Vorrang gewähren, um meinen Haufen an Arbeit etwas zu verkleinern. Doch dann sprang Martin der Vernunft in den Weg und hatte schlagfertige Argumente in Form eines bombastischen Lineups in petto. Und plötzlich hatte die Vernunft, die sich Paan, Markus Welby, Lenny Brookster und Co stellen musste, mal gar nichts zu melden. Zack… überzeugt!

Ich dachte mir, dass der späte Nachmittag ein guter Zeitpunkt wäre, um dort aufzuschlagen. Also starteten wir gegen halb vier in Chemnitz. Die Fahrt verlief völlig stressfrei und ohne Hindernisse, sodass wir gegen 16:45 vor Ort waren. Noch schnell ein Bierchen am Parkplatz und etwas „Vertrautmachen“ mit der Umgebung, wo es allerdings nicht viel zu bestaunen gab, da der Club in einem etwas öden, grauen Viertel von Leipzig-Plagwitz liegt. Und so fanden wir uns also 17 Uhr am Einlass ein, wo schon einige Besucher waren, die allerdings erstmal noch die Sonne im Freien genossen. Wir waren schon sehr gespannt auf das, was uns drinnen erwarten würde. Die Musik hörte man von hier schon sehr deutlich. Es ist ein seltsames Gefühl, mitten am Tag bei schönstem Sonnenschein einen dunklen, verwinkelten „Technoschuppen“ zu betreten. Aber normal kann ja jeder. Seitdem kann ich mir vorstellen, wie sich die Stammgäste des Berghains fühlen, für die das wahrscheinlich Gewohnheit ist. Nun waren wir also drin. Vorbei am Chillout-Bereich und der Bar zog es uns direkt hin zur Musik. Und leider tanzten da gerade mal zwei bis drei Leute zu Markus Welby’s toller Musik zwischen House und Techno. Schade. Die Leute wollten wahrscheinlich lieber den letzten sommerlichen Tag des Jahres genießen, statt im Dunklen zu feiern. Ich fragte mich, was die Stunden vorher dort passierte, da es ja schon am Mittag losging. Trotzdem blieben wir da und tanzten uns schonmal etwas warm (zeitweise auch nur zu zweit). Nach einer Weile verließen wir den Club zunächst, um uns auf die Suche nach etwas Essbarem zu begeben. Es folgte ein Fußmarsch ins nächste Stadtviertel, wo wir ein kleines aber feines Restaurant fanden. Hier stärkten wir uns für die bevorstehende Nacht. Gegen 21 Uhr waren wir zurück in den sogenannten „Forbidden Rooms“ und wie erwartet hatte sich zwischenzeitlich auch die Tanzfläche gefüllt. Mainact Yetti Meißner aus dem Berliner Club „Sisyphos” gab gerade ordentlich Gas. Ihr Sound lässt sich als eine Mischung aus düsterem Tech House und Techno bezeichnen. Wir ließen uns von ihrem Sound anstecken und tanzten munter drauf los.

Yetti Meißner

Anmerkung Anne: Wenn man Yetti auf der Straße treffen würde, wäre sie – vorschnell geurteilt – leicht in die poppig angehauchte Schublade „nice girl next door“ einzusortieren. Doch Yetti kann anders. Sie ist quasi der kleine Wolf im Schafspelz. Yetti kann Techno und das hat sie uns eindrucksvoll bewiesen!

22 Uhr folgte der Auftritt vom Leipziger „Paan“ auf den wir uns schon im Vorfeld besonders gefreut hatten. So gab es zwei Stunden puren Techno vom Feinsten auf die Ohren. Sein Set beinhaltete u.a. einige Nummern vom Briten Alan Fitzpatrick (Drumcode). Auch Anne war nun ganz aus dem Häuschen und nicht mehr zu bremsen.

Anmerkung Anne: Jetzt war die Zeit gekommen für meinen eigentlichen Mainact. Das Warmtanzen hatte sich gelohnt, denn jetzt wurden die Vinyls der noch härteren Gangart aus dem Dunkel gezaubert. Was hat dieser Mann für ein Gespür für Musik! Feingefühl für die richtige Musikkomposition und die lupenreinen Übergänge machen den Unterschied zu den selbst ernannten DJs, die das zusammenhangslose Aneinanderreihen von geklauten Tracks auf ihrem USB-Stick in Kombination mit dem Play-Button als Auflegen bezeichnen. Paan hat musikalisches Feingefühl. Er zeigt auf eine wunderbar unaufgeregte Weise, wie fassettenreich Techno sein kann, ohne dabei mit Weichspüler die Härte aus dem Beat zu waschen. Danke für die Extraportion Endorphine an diesem Abend!

Danach legten wir eine Pause im Chillout-Bereich ein und mussten erstmal durchatmen. Etwas erholt ging es zurück auf den Floor, wo nun Lenny Brookster an den Decks zu Gange war. Er lies es etwas ruhiger als Paan angehen, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Im Gegenteil. Erst jetzt war die eigentliche „Peaktime“ erreicht und der Club war sehr gut gefüllt. Lenny’s Musik war ebenfalls sehr treibend und tanzbar. Jedoch hätte es musikalisch besser gepasst, wenn er vor Paan aufgelegt hätte, wie es ursprünglich auch geplant war. So feierten wir inmitten der tanzenden Menge, bis die Beine uns beim Tanzen nicht mehr unterstützen wollten. Auch hatten wir nun alle Acts mitgenommen, die wir uns vorgenommen hatten. Perfekt. So traten wir in den frühen Morgenstunden die Heimreise an.

Abschließend möchte ich noch ein paar positive und negative Fakten aufzählen:

– Sehr fairer Eintrittspreis von nur fünf Euro für ein breites Lineup
– Ebenfalls sehr faire Getränkepreise
– Angenehmes Publikum
– Netter Chillout-Bereich

Jedoch:

– sehr stickige Luft auf dem floor
– zu späterer Stunde überall Glasscherben auf dem Boden der Tanzfläche und Zustand der Toiletten grenzwertig -> Details an dieser Stelle lieber keine ;)
– Musikanlage teilweise zu laut eingestellt, gerade in Bezug auf eher geringe Größe des floors

Vielleicht hätte man die Nachmittag-Acts nach draußen verlegen sollen. Bei strahlendem Sonnenschein hätten sicherlich mehr Leute zu Markus Welbys Musik getanzt. Trotz dieser zu verschmerzenden Kritikpunkte war es ein äußerst gelungener Ausflug. Leipzig ist doch immer wieder einen Trip wert!

Über Martin

Martin, IT-Spezi aus Chemnitz mit Liebe zur elektronischen Musik, unterstützt seit 2013 replay. Er steht zurzeit total auf härteren, düsteren Sound von Labels wie CLR, Drumcode oder Dystopian. Demnach hat er es sich zum Ziel gesetzt, vor allem den Bereich Techno voran zu treiben. Dabei ist er aber auch immer offen für andere Genres der elektronischen Musik. An den Wochenenden stürzt er sich gerne ins nächtliche Getümmel der verschiedensten Locations, um mit Freunden zu feiern.

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