Simina Grigoriu im Interview: „In dieser Branche ist es nicht schwer, aufzusteigen und wieder zu fallen“

Im März hat die bezaubernde Wahlberlinerin Simina Grigoriu einen replaycast beigesteuert. Im Rahmen dessen stand uns Simina auch zu einigen Fragen Rede und Antwort. Wir sprachen über Ihre Auszeit, das erfolgreiche Comeback und einige weitere Themen.

(Zum Original-Interview in Englisch hier entlang)

Simina Grigoriu

Du hattest jetzt über 1 Jahr Pause und hast in der Zeit auch keine Gigs gespielt. Denn du bist Mama einer Tochter geworden. War das für dich eine Auszeit, die dir generell mal gut getan hat?

Simina Grigoriu: Um ehrlich zu sein, wollte ich eine dieser Techno-Helden-Mommies sein, die auch in ihrem siebten Monat noch richtig gut auflegen. Allerdings fehlte mir die Energie, um mit einen riesigen Bauch und abhandengekommener Ausdauer durch die Welt zu jetten. Jede Schwangerschaft ist anders – meine war nicht lustig. Ich glaube, ich hatte bereits nach den ersten drei Monaten aufgehört aufzulegen und nahm mir den Rest der Zeit, um mich einzunisten und… um ein Album aufzunehmen.

Was hast du in der Pause alles Schönes gemacht? Es war ja bestimmt auch etwas freie Zeit für Musik?

Simina Grigoriu: Absolut! Ich nutzte die Zeit, um über 10 neue Tracks zu produzieren. Was hatte ich sonst noch mit all dieser Zeit angestellt? Zudem unterstützt mich mein Bruder Daniel als Tontechniker. Sein Künstlername ist übrigens Moe Danger. Er hat unglaubliches Talent und während ich kreative Ideen mit ins Studio bringe und Tracks gut aneinanderreihen kann, hilft er mir, meiner Musik mehr Tiefe und Substanz zu geben. Das sind dann so Sachen wie das Zumischen massiverer Basslines, Kreieren passenderer Melodien oder hässliche Frequenzen, die wir wieder loshaben wollen. Er ist ein Genie!

Mit der Matching Numbers EP auf Form Music hast du im November 2015 deine erste EP nach längerer Zeit veröffentlicht. Was können wir im Jahr 2016 musiktechnisch von der Künstlerin Simina Grigoriu erwarten? Gibt es schon Pläne?

Simina Grigoriu: Ich habe ein Label gegründet, Kuukou Records, und werde hier mein neues Projekt, Techno Monkey, über eine Reihe von EPs im Verlauf dieses Jahres veröffentlichen. Auf Empfehlung meines Managers, meines Booking-Agenten, meines Ehemanns und darüber hinaus so ziemlich jedem, mit dem ich darüber gesprochen habe, entschied ich mich dafür, das Album in mehrere EPs zu splitten. Das Konzept „Album“ wirkt immer überholter, wenn man sich die heutige Generation der Musikenthusiasten anschaut. Es macht so einfach mehr Sinn. Es warten super Tracks und top Remixe und ich bin sehr gespannt auf dieses kleine, neue Projekt. Und natürlich freue ich mich auch auf den Sommer, nachdem ich das letzte Jahr komplett meiner neuen, kleinen Familie, Baby Isabella und meinem Liebling Paul gewidmet habe. Mami möchte zurück an die Arbeit! Ich bin aufgeregt!

Simina Grigoriu

Am 17. Oktober 2015 bist du in Rostock nach deiner Auszeit zurück hinter die Turntables gekehrt. Was war das für ein Gefühl?

Simina Grigoriu: Aufgeregt. Ängstlich. Und ziemlich froh, in diesem Moment nicht auf der Mainstage zu spielen. Aber es war wirklich großartig! Ich habe mich zusammengerissen und ging einfach wieder zurück an die Arbeit – wie Fahrrad fahren! :)

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass mich meine Fans sowohl während meiner Auszeit als auch bei meinem kleinen Comeback unterstützten. In dieser Branche ist es nicht schwer, aufzusteigen und wieder zu fallen. Bei derartig vielen Newcomern auf dem Markt ist es immer wieder schön, Menschen zu sehen, die sich bleibend für einen interessieren – auch wenn man sich eben die dringend benötigte Auszeit nimmt. Dafür liebe ich meine Fans!

Auf Facebook hast du sehr tolle Fotos von dir unter dem Motto „Play Instinct“ gepostet. Was hat es damit auf sich?

Simina Grigoriu: „Play Instinct“ war eine kleine Kampagne, für die wir uns entschieden hatten, um mich wieder in die Techno-Szene zurückzuholen. Mein Comeback, wenn man es so möchte. Es war ein Spiel mit Worten (kein Wortspiel beabsichtigt) und wurde geschaffen, um die Tatsache zu präsentieren, dass ich einen ganzen Tag lang spiele. Ich spiele Zuhause mit meinem Baby. Ich spiele während der Arbeit auf einer Bühne. Ich spiele vor der Kamera. Ich spiele in der Küche. Ich spiele im Studio. Alles, was ich tue, ist Spielen und ich bin glücklich, dass ich einen Teil von diesem Spielen Arbeit nennen darf. Es war als Spaß gedacht, sollte leicht sein und ein bisschen Aufmerksamkeit um ein Mädchen schaffen, das ein Jahr lang verschwunden war, um sich um ein Baby und ein Album zu kümmern.

Simina Grigoriu - Play Instinct

Simina Grigoriu - Play Instinct

Simina Grigoriu - Play Instinct

Simina Grigoriu - Play Instinct

Du bist in Rumänien geboren, in Toronto aufgewachsen und lebst nun in Berlin. Wo fühlst du dich am wohlsten?

Simina Grigoriu: Oh, das ist schwer zu sagen! Ich verließ Bukarest im Alter von nur drei Jahren. Nach der Revolution – ich war damals 10 Jahre alt – besuchte ich Bukarest aber seither jedes Jahr. Ich bin also ziemlich vertraut mit Rumänien und spreche die Sprache fließend. Jedes Mal, wenn ich dort bin, überkommt mich ein überwältigendes Gefühl von Patriotismus, allerdings kann ich auch das Gefühl nicht leugnen, dass ich eigentlich eine Kanadierin bin. Wenn ich Toronto besuche, die Stadt in der ich meine Kindheit und Jugend verbrachte, fühlt sich alles unglaublich nostalgisch an. Dort sind noch all meine Freunde aus Kindestagen und ich bin mit meinem kleinen, schwarzen Jetta bestimmt jede einzelne Straße in dieser riesigen Stadt abgefahren. Trotzdem fühle ich mich jedes Mal, wenn ich wieder da bin, wie ein Tourist – vielleicht weil ich einfach schon so lang nicht mehr dort wohne. Aber ich lebe in Berlin, habe mir hier mein Business aufgebaut und, was noch viel wichtiger ist, meine Familie ist hier. Ich spreche Deutsch (allerdings noch nicht gut genug, um dieses kleine Interview für euch auf Deutsch zu schreiben). Ganz klar, Berlin ist mein Zuhause.

Hörst du privat auch Techno, sprich die Musik, die du produzierst und auch in deinen Sets spielst?

Simina Grigoriu: Ich höre jeden Tag Techno – vor allem, weil es Teil meiner Arbeit ist, immer die beste Musik zu finden, um sie dann mit auf die Bühne zu bringen. Außerdem bastle ich wöchentlich an Podcasts und Mixen, in welche die Musik, die ich finde, einfließt. Leider sind die mit Techno ausgefüllten Tage oder die Zeit, in der man einfach wahllos stundenlang ein paar Vinyls spielen konnte, knapp geworden. Mit einem Baby, einem Mann, einem neuen Label und meinen Shows schätze ich jede freie Minute. Meine Techno-Morgen wurden durch KiKa ersetzt. Vielleicht ist das normal, wenn die Leidenschaft zum Job wird. Trotzdem ist es eine Arbeit, der ich noch immer sehr leidenschaftlich begegne.

Die Entwicklung der Technik im Musikbusiness steht nie still. Auf welche Technik möchtest du nicht mehr verzichten müssen?

Simina Grigoriu: Ich benötige kein spezielles Zubehör. Ableton. Is. King. Ohne dieses Programm bin ich aufgeschmissen. Das einzige, was ich regelmäßig benutze, ist ein AKAI APC Key 25 und das auch nur für den Produktionsfluss. Ich liebe es analog, arbeite aber häufig mit Samples und digitalen VSTs. Deshalb brauche ich eigentlich nicht viel mehr als mein Gerät und meine Plugins, ein Midi Controller und ein kleines Keyboard. Simpel! Sylenth1 und Massive sind ein Muss und Melodyne hat komplett die Art verändert, wie wir Melodien betrachten. That shit blew my mind!!!

Simina Grigoriu

Welche Erfahrungen oder Erlebnisse haben dich in deiner bisherigen Zeit als Künstler besonders geprägt? Was war das Außergewöhnlichste, das dir je bei einem Auftritt passiert ist?

Simina Grigoriu: Ich bin schon mein ganzes Leben lang ein Artist. Als ich jung war, besuchte ich die Musikschule, danach bildende Künste und Tanz. In der Highschool machte ich meinen Abschluss in Hip-Hop und Rhymes, doch erst als ich mich durch den Dschungel der zweiten Hälfte der 90er Jahre ravte , verliebte ich mich in die elektronische Musik. Ich machte einen Bachelor in Technologie und arbeitete danach einige Jahre für eine Werbeagentur. Ich mochte meinen Job echt gern. Irgendwann fing ich nebenher aus Spaß an mit Ableton herumzuexperimentieren und hatte ein paar Decks Zuhause. Das war meine Auszeit, ein Hobby. Und dieses Hobby wurde immer professioneller. Diese verwirrenden Momente meiner jüngeren Tage haben mich geprägt, weil ich niemals gedacht hätte, dass es irgendwann mehr als ein Hobby sein könnte. Und nun ist es mein Lebenselixier. Das ist für mich alles nicht selbstverständlich.

Witzige Dinge, die während der Shows passieren… da gibt es jede Menge! Ohne lang nachzudenken… Ich erinnere mich an eine Situation in einer Toilette. Ein Mädchen stellte fest, dass ich HAARGENAU wie Simina Grigoriu aussehe. Ich war sprachlos. Ich errötete und kicherte, sagte aber nichts und ging zurück zu meinen Decks. Ein anderes Mal schaffte es ein Raver in den Backstagebereich zu gelangen und dort alle Backstage-Pässe zu stehlen, die er dann am Veranstaltungsort zu verkaufen begann. Als er schließlich von DER POLIZEI (nicht von den Türstehern) gefasst wurde, fragte er, ob er alle Backstage-Pässe gegen die Möglichkeit, die Künstler selbst zu treffen, tauschen könne. Was für ein Idiot! Er wurde rausgeschmissen, klar. Wie auch immer, Dinge wie diese passieren andauernd. Ich könnte ewig weiter erzählen, aber ich schätze, dafür reicht der Platz hier nicht aus.

Gibt es sonst noch etwas, das du uns verraten möchtest?

Simina Grigoriu: Bleibt in der Schule!. Sagt „Nein“ zu Drogen! Glaubt nicht alles, was ihr in den Medien liest oder hört!

Das Interview führte Philipp Elzner. Übersetzung Annegret Franzl.

Wir bedanken uns ganz herzlich für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg.

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

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