Stereo City Festival 2012 – Nicht schlecht, es geht aber besser

Das Stereo City Festival zog in diesem Jahr aus diversen Gründen nach Altenburg in die Alte Wollspinnerei (kurz: AlWo). So besuchte ich letztes Wochenende mein allererstes Stereo City leider fernab von Ferropolis, obwohl ich dieses Event so gern in der Stadt aus Eisen erlebt hätte.

In der Woche des Festivals, die Woche vom 27. August 2012, gaben die Veranstalter die Running Order und wichtige Festival- bzw. Zeltplatzinfos bekannt. Das Feedback für die vielen Regeln und Auflagen, die übrigens von den umliegenden Behörden kamen und nicht vom Veranstalter selbst, war bei Facebook alles andere als positiv. Die meisten Leute, die schon ihr Festivalticket seit vielen Wochen im Vorfeld besaßen, fühlten sich teilweise verarscht. Die Regeln erinnerten sehr an eine Klassenfahrt in der zehnten Klasse. Ich wohne von der AlWo nur knapp 30 Kilometer entfernt, deshalb kam Zelten für mich nicht in Frage.

Stereo City war für mich das erste Festival mit Presseakkreditierung: Ich konnte auf der Bühne und hinterm DJ-Pult – nicht wie sonst nur davor – viele Eindrücke sammeln. Eindrücke, die man als normaler Gast so nicht bekommt. Schon interessant zu sehen, Künstler A trinkt das, Künstler B legt mit Software X auf, Künstler C nutzt ausschließlich die CDJ-2000.

Kein Festival der Welt ist perfekt, Menschen machen Fehler. Aus diesem Grund sind meine Gedanken als konstruktive Kritik zu verstehen. Meine Gedanken sollen weder als Gejammer, noch als Hetzjagd gegen den Veranstalter verstanden werden. Damit mein Feedback nicht gar so wirr daher kommt, habe ich meine Gedanken in verschiedene Punkte strukturiert.

Parken

Zum Parken schrieben die Veranstalter extra eine Fläche aus (auf der Grafik mit einer 1 markiert). Erst vor Ort sagte man mir, dass die Fläche nur für Camper vorgesehen ist. Im Vorfeld blieb diese Info leider verschwiegen. Viele andere Leute machten mit Sicherheit die gleiche Erfahrung, weil sie nicht campen wollten. Wenn Parkplätze angeboten werden, dann doch bitte für alle Besucher. Erst am zweiten Festivaltag machte ich von meiner Durchfahrtgenehmigung Gebrauch, da ich am ersten Festivaltag das Auto weiter weg parkte, um danach erst einmal den Ticket-Checkin zu suchen.

Location

Nachdem ich also am ersten Abend mein Auto weggestellt und mein Bändchen geholt hatte, lief ich die Straße Richtung AlWo hinter. Der durch Zäune abgesperrte Weg auf das Festivalgelände führte nur über das schlammige Feld. Das war keine Option für mich. Von der Straße kommend, stand ich vor einem Zaun, den ein Security bewachte. Nach einem kurzen Gespräch war er so freundlich und lies mich durch den Zaun rein. Der folgende Weg in Richtung Einlasskontrolle war leicht schlammig und noch nass. Bei anderen Festivals ist es normal, Metallplatten oder Ähnliches auszulegen. Aufgebaut war alles im Grunde genommen fast wie zu Ostern beim diesjährigen Liquid Sunday, nur eine Open Air Bühne kam hinzu. Bis auf die Open Air Bühne waren alle Floors im Innenbereich der AlWo, was sich aufgrund der nächtlichen Kälte als großer Pluspunkt herausstellte.

Floors

So gut wie alle Floors wirkten sehr lieblos hergerichtet, Deko war so gut wie nicht vorhanden. Allgemein waren es viel zu viele Floors, die sich teilweise extrem übertönten, da sie zu dicht aneinander waren. Beim Umherlaufen über die verschieden Floors fiel mir auf, dass am Freitag beispielsweise auf Floor F Hard Techno lief, am Samstag dann House. Wechselnde Musikstile auf ein und dem selben Floor sind eher unschön, da man sich merkt, was lief. So geht es mir zumindest.

Besonders auf dem Minimal Floor, wo ich am meisten Zeit verbrachte, lief wohl einiges nicht ganz sauber ab: Vor dem DJ-Pult war eine LED-Wand angebracht, die aus vielen einzelnen Stäben bestand. Schon am ersten Abend war nach wenigen Stunden alles zerrammelt. Samstagabend war immer noch alles kaputt. Es schien von den Verantwortlichen niemanden zu interessieren. Der Minimal Floor war übrigens der Floor, der von den DJs von Freitagabend bis Sonntagmorgen non Stop im Dauerbetrieb bespielt wurde. Samstagabend sah es hinter dem DJ-Pult auch dementsprechend dreckig aus inklusive vielen leeren Flaschen und Müll. Es schien von den Verantwortlichen niemanden zu interessieren. Die Plattenspieler waren auch so gut wie nicht zu gebrauchen, da immer wieder die Nadeln sprangen, wodurch nur das Auflegen mit den CDJs übrig blieb. Es schien von den Verantwortlichen niemanden zu interessieren. DJs bekamen teilweise keine Getränke zur Verfügung gestellt, im besten Fall mussten diese selbst bezahlt werden. Alles live und in Farbe miterlebt. Zur Info: die Headliner hatten immer eine bereitgestellte Kühlbox mit ihren Wunschgetränken. Es schien von den Verantwortlichen niemanden zu interessieren. Es war schon herrlich anzuschauen, wie die Stimmung eines André Galluzzi aufgrund der beiden letzten angesprochenen Punkte von gut gelaunt in mega scheiße kippte und er sein Set sogar viel eher beendete. Für mich stellt sich die Frage, warum es pro Floor keinen Ansprechpartner für technische Probleme und andere Belange gab.

Lineup

Die Grundidee des Stereo City Festival 2012 war die Kombination von internationalen Headlinern mit lokalen Künstlern. Insgesamt waren über 100 DJs und Liveacts vor Ort, inklusive 12 Showcases der Agenturen und Labels Mitteldeutschlands. Damit wurde eine große musikalische Bandbreite abgedeckt, so dass für jeden etwas dabei war. Auch wenn jeder Act und jeder Floor seine Daseinsberechtigung hatte, hat in meinen Augen der Ausspruch „weniger ist mehr“ seine Berechtigung.

Ich hatte meinen Spaß bei den von mir gewählten Acts: Nick D-Lite, Westbam, Dominik Eulberg, W.O.O.D, Aikoon, Richard Ungethüm, Klangkarussell, Wankelmut, DJ Hell, Painkiller, André Galluzzi und Thomas Rebsch.

Preis fürs Festival

Im Vorfeld gab es einige Super-Early-Bird Tickets zum Preis von 25 Euro (zzgl. VVK-Gebühr). Da konnte man nix falsch machen. Danach war das Tagesticket für 25 Euro (zzgl. VVK-Gebühr), das Wochenendticket für 35 Euro (zzgl. VVK-Gebühr) erhältlich. An den entsprechenden Festivaltagen waren die Tickets etwas teurer: Tagesticket 30 Euro, Wochenend-Ticket 45 Euro. Für die Veranstaltung und bei dem Lineup ein guter Preis, wobei man aber bedenken muss, dass Camping extra kostete.

Anlagen

Die Anlagen waren wie schon zum diesjährigen Liquid Sunday zu laut eingestellt. Zusätzlich war die Qualität der Anlagen echt mies. Gleiche Festivals und ähnliche Veranstaltungen setzen auf Funktion One. Klanglich ein himmelweiter Unterschied. Auf dem Minimal Floor waren Höhen und auch Melodien aufgrund der viel zu starken Bässe kaum hör- bzw. wahrnehmbar. Musik besteht nicht nur aus Bässen!

Getränke

Die Getränkepreise entsprachen ungefähr dem im Sommer erlebten Standard. Zum Beispiel: Bier 3 Euro, Vodka-Energy 6,50 Euro. Leider stimmte nicht bei allen Getränken die Qualität. Beim Bier ist Becks wirklich OK, beim Energy ist Red Bull das Nonplusultra. Aber was gar nicht geht, ist beim Vodka irgendeinen Billigabklatsch wie Jelzin zu verwenden, und das bei dem Preis. Guten Vodka erkennt man schon von weitem an der Flasche.

Sanitäre Anlagen

Die sanitären Anlagen (Container im Außenbereich und auf dem Minimal Floor) waren ausreichend vorhanden. Aus Erfahrung von diversen anderen Veranstaltungen war ich doch sehr überrascht, dass meterlange Schlangen ausblieben. Die Toiletten auf dem Minimal Floor waren an Festivaltag 1 in Ordnung, an Festivaltag 2 schon sehr eklig, man hatte das Gefühl, dass sich dafür wohl niemand verantwortlich fühlte. Saubere Toiletten inklusive Fußboden und insbesondere, dass man sich im Sauberen die Hände waschen kann, ist doch wohl das mindeste.

Fazit

Ich war wegen der Musik beim diesjährigen Stereo City Festival, das zählt. Die besuchten Acts und deren Musik waren verdammt gut. Das Wetter war top und die Stimmung sehr familiär. Doch es haben sich einige negative Punkte angehäuft, die unmittelbar damit zusammenhängen, dass bei mir kein richtiges Festivalfeeling aufkam, wie ich es beispielsweise vom Sonne Mond Sterne kenne. Noch dazu waren die Floors zu später Stunde recht leer, und das passte zu einigen renommierten Künstlern nicht. Auch das ist auf anderen Festivals recht untypisch.

Generell bleibt festzuhalten, dass zu viele Regeln (besonders auf dem Zeltplatz), wie es beim diesjährigen Stereo City der Fall war, nicht gut für ein Festival und das damit verbundene Festivalfeeling sind. Gerade beim Campen waren viele Besucher sehr genervt, wie alles abgelaufen ist. Sollten sich einige angesprochene, negative Punkte nicht verbessern, wird es gut möglich sein, dass sich der ein oder andere Besucher sehr genau überlegt, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Ich selbst stelle in Frage, ob die AlWo mit all den Regeln und Auflagen von den Ämtern für ein 3-Tages-Event inklusive Camping die richtige Location ist.

Ich bin jedenfalls sehr auf die Zukunft gespannt, ob sich in irgendeiner Richtung etwas ändert.


Nick D-Lite


Westbam


Dominik Eulberg


Aikoon


Wankelmut


Klangkarussell


DJ Hell


André Galluzzi

Stereo City Festival 2012 - Nick D-Lite

Stereo City Festival 2012 - Westbam

Stereo City Festival 2012 - Dominik Eulberg

Stereo City Festival 2012 - Westbam

Stereo City Festival 2012 - Dominik Eulberg

Stereo City Festival 2012 - Dominik Eulberg

Stereo City Festival 2012 - W.O.O.D & Aikoon

Stereo City Festival 2012 - Aikoon

Stereo City Festival 2012 - Wankelmut

Stereo City Festival 2012 - Klangkarussell (Tobias) & Wankelmut

Stereo City Festival 2012 - Klangkarussell (Tobias)

Stereo City Festival 2012 - Klangkarussell (Tobias)

Stereo City Festival 2012 - Klangkarussell (Tobias)

Stereo City Festival 2012 - Klangkarussell (Tobias)

Stereo City Festival 2012 - Klangkarussell (Tobias) & Manager

Stereo City Festival 2012 - Wankelmut

Stereo City Festival 2012 - Wankelmut

Stereo City Festival 2012 - Wankelmut

Stereo City Festival 2012 - Wankelmut

Stereo City Festival 2012 - Wankelmut

Stereo City Festival 2012

Stereo City Festival 2012 - DJ Hell

Stereo City Festival 2012 - DJ Hell

Stereo City Festival 2012 - André Galluzzi

Stereo City Festival 2012 - André Galluzzi

Stereo City Festival 2012 - Sonntagmorgen

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

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