Super Flu im Interview: „Bei Super Flu geht es darum, gute Tanzmusik zu erschaffen, die sich permanent zurück- oder weiterentwickelt …“

Knapp dreieinhalb Jahre nach „Heimatmelodien“ veröffentlichen Super Flu dieser Tage auf ihrem eigenen Label Monaberry ihr zweites Album, das den Titel „Halle Saale“ trägt. Angelehnt an ihre Heimatstadt. Im Rahmen des Albumreleases sprachen Mathias und Feliks alias Super Flu mit uns im Interview über ihren Künstlernamen, Opa Herbert, die Bedeutung des Albumtitels, die verrückten Tracknamen im Allgemeinen und einiges mehr.

Super Flu – Halle Saale

Hallo Feliks, hallo Mathias, wann und wie habt ihr beiden euch kennen gelernt? Wart ihr sofort auf einer Wellenlänge oder musstet ihr erst einen gemeinsamen Weg finden?

Feliks: Also wir haben uns beide vor ca.5 Jahren beim Ausdruckstanz kennengelernt. Matze hatte gerade diesen neuen Body an, wo die Knöpfe hinten sind. Beim sterbenden Schwan sind wir dann ins Gespräch gekommen.

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen Super Flu gekommen? Versteckt sich dahinter eine spezielle Bedeutung?

Mathias: Wie wissen wir nicht mehr genau. Aber „Flu“ bedeutet Foreskin Leather Uniform. „Super“ die Steigerung davon.

Opa Herbert ist einer der coolsten älteren Herren, die wir kennen. Er lieferte das Intro zu vielen Live-Mitschnitten, eurem Album „Heimatmelodien“ und auch zu eurem neuesten Werk „Halle Saale“. Außerdem spielt er in einigen eurer Videos mit. In welcher Beziehung steht ihr zu ihm und wie konntet ihr ihn überreden bei euren Projekten mitzumachen?

Mathias: Herbert ist Feliks Opa. Er bildet eigentlich das Herzstück unseres Projektes d.h. er gibt Ideen, wählt Tracks aus und sagt uns, wie wir was zu tun haben. Man könnte sogar sagen, dass wir seine Marionetten sind. Aber mit seinen 84 Jahren Erfahrung im Technodschungel können wir ihm sehr gut vertrauen. Dem zufolge muss er uns immer überreden.

Super Flu – Halle Saale

Apropos „Halle Saale“ – euer neues Album erscheint am 23. Oktober, knapp dreieinhalb Jahre nach „Heimatmelodien“. War jetzt genau der richtige Zeitpunkt für etwas Neues?

Feliks: Eigentlich ist immer der richtige Zeitpunkt für etwas Neues. Deswegen haben wir ja in den letzen Jahren auch relativ viel mit anderen Künstlern zusammengearbeitet. Und jetzt hatten wir mal wieder Lust auf was eigenes. Und weil so viele Ideen da waren, wurde es halt ein Album.

Widmet ihr das Album eurer Heimatstadt Halle (Saale)? Welche Bedeutung steckt hinter dem Albumtitel „Halle Saale“? Was hat euch inspiriert?

Mathias: Inspirieren tut uns eigentlich sehr viel. Gerade außerhalb vom musikalischen Kontext. Und natürlich spielt da unsere Heimatstadt eine große Rolle. Aber wir widmen dieses Album nicht unserer Stadt. Vielmehr kommt es aus ihr, denn alle Mitwirkenden, außer unseren Andhim Boyz, kommen von hier und begleiten uns auch schon seit Jahren.

Super Flu - Mathias

Wann habt ihr mit den Arbeiten am neuen Album begonnen und wie lange dauerte es, bis ihr schließlich voll und ganz vom Album überzeugt wart?

Feliks: Das können wir gar nicht so richtig in Zeit beschreiben. Es ist ein Prozess der schon nach dem letzten Album angefangen hat und in mehreren Wochen konzentrierter Bastelei mündet. Wenn sich dann alles soweit gut anfühlt, schließen wir solche Sachen meist für einige Zeit weg, um dann nach ein paar Wochen nochmal mit neutraleren Ohren drüber hören zu können. An diesem Punkt entscheidet sich dann, ob man etwas gutes oder etwas schlimmes erschaffen hat. Im Fall unseres Albums traf ersteres zu.

In den Jahren 2007 und 2008, als ihr zahlreiche Releases auf den Labels Traum und Herzblut Recordings hattet, fällt ganz klar auf, dass eure Tracks technolastiger und minimalistischer waren. Seit dem ersten Monaberry Release „Shine“ im Jahr 2009 produziert ihr groovigen Tech House mit vielen besonderen, musikalischen Elementen – bis heute. Doch die 10 Tracks auf „Halle Saale“ wirken insgesamt reifer. Kann man jetzt sagen, ihr habt euren persönlichen Stil gefunden?

Feliks: Wir glauben, dass Stil eine gesellschaftliche Erfindung ist, um Orientierungspunkte zu haben, die man gut in seine Schubladen packen kann. Ich glaube, dass man sich für einen Stil entscheidet oder ihn zugewiesen bekommt und er sich nicht entwickeln kann. Wir haben auch andere Projekte die völlig anders klingen, die aber dann auch ein anderes Ziel verfolgen. Bei Super Flu geht es darum, gute Tanzmusik zu erschaffen, die sich permanent zurück- oder weiterentwickelt und das war vom ersten Release an auf Karateklub schon so.

Super Flu - Feliks

Wie gestaltete sich die gemeinsame Arbeit bei der Produktion eurer Albumtracks, gab es eine klare Rollenverteilung? Was war euch beim Produzieren der Tracks besonders wichtig?

Super Flu: Feliks produziert, Matze holt Bier und Opa Herbert sagt im Detail, was gemacht wird.

Ole Biege veredelt eure Sets des Öfteren, indem er euch bei euren Gigs zum Trommeln begleitet. Habt ihr schon mal daran gedacht, eure Musik als Liveact zu präsentieren?

Mathias: Das hatten wir vor ein paar Jahren sogar schon einmal versucht. Aber ohne Band und mit nur zwei gesyncten Laptops macht das für uns keinen Sinn und hat uns gelangweilt. Es macht mehr Spass mit der Auswahl der Musik und dem ein oder anderen richtigen Live Element direkt auf die Leute einzugehen, als uns durch farbige Blöcke zu drücken.

Ihr habt bisher viele eigene Releases hervorgebracht und wart auch für viele andere Künstler als Remixer tätig. Woher nehmt ihr immer wieder die Inspiration und Kreativität für neue Tracks und Remixe?

Feliks: Durch Spielen. Das ist eine der wichtigsten Sachen für uns. Dass man spielt. Egal mit was. Nur dadurch kommen wir auf neue Ideen. Manche nennen das auch ein wenig mystifizierend „kreativ werden“.

Eure Tracks heißen „Euterpeh“, „Rattelschneck“, „Momratzn“, „Didschn“, „Poppycock“, „Fibi Maybe“ oder „Cheesy Mobisi“. Die Liste könnte man weiter fortführen. Wie kommt ihr auf solche verrückten Titelnamen? Gibt es tiefgründige Bedeutungen hinter den kreativen Namen?

Super Flu: Ich glaub jeder, der mal mit offenen Augen für Worte oder Wortgruppen durch die Welt läuft, wird auf solche Sachen stoßen. Wir sammeln die dann und ordnen die unseren Liedern zu. Wichtig ist es vielleicht noch, dass die Lautmalerei auch ein wenig zu der des Tracks passt.

Super Flu

Wenn wir an Super Flu denken, dann kommen uns immer die markanten Beats in den Sinn, aber auch der markante Style. Woher nehmt ihr die Ideen z.B. für eure Platten- bzw. CD-Artworks, eure Shirts, die Gestaltung der Videos und vor allem unsere Favoriten, die coolen Sprechblasen? Entsteht das alles in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe KLUB7?

Super Flu: Die Rohideen kommen meist von uns. Meist setzen wir uns dann mit den passenden Profis zusammen, um ein gesamtes Konzept zu entwerfen. In der Vergangenheit hatten wir des öfteren die Ehre mit den 7ern zusammen zu arbeiten, aber auch andere Köpfe wie die Boyz von Editude Pictures, Johannes Westermann oder Falko Gerlinghoff konsultieren wir regelmäßig.

Nun zur letzten Frage: Was können wir von Super Flu in Zukunft erwarten? Stehen schon die nächsten Releases in den Startlöchern?

Super Flu: Gerade haben wir die nächsten 2 Alben fertig gemacht, die wir aber erst in den nächsten 3 bzw. 6 Jahren veröffentlichen werden. Ansonsten kommen Anfang nächsten Jahres natürlich noch Remixe von unseren Albumliedern. Ausserdem werden wir uns verstärkt um unsere Labels „Monaberry“ und „Sunset Handjob“ kümmern. Es gibt gerade viel gutes Zeug was hier in Halle entsteht.

Das Interview führte Philipp Elzner.

Wir bedanken uns ganz herzlich für das ausführliche Interview, wünschen alles Gute für die Zukunft und hoffen natürlich auf viele weitere Veröffentlichungen aus der Kreativschmiede von Super Flu.

Über Philipp

Philipp, der wohl größte Pan-Pot Fan auf Erden, ist das Herz und die Seele von replay – um nicht zu sagen: Philipp ist replay, wenn er nicht gerade als Webdesigner arbeitet. In vielen Beiträgen und musikalischen Schmankerln lässt Philipp euch an seiner Liebe zur Musik und nicht zuletzt an seiner musikalischen Entwicklung teilhaben. Im Moment öffnet er immer wieder gern die Schubladen Deep House, Tech House und Techno. Und dies macht er in jeder freien Minute, die sich finden lässt - mit jeder Menge Einsatz und Engagement, mit unglaublich viel Liebe zum Detail und einer LKW-Ladung Herzblut. Um euch weiterhin qualitativ hochwertige Einblicke in die Welt der elektronischen Tanzmusik zu liefern, ist Philipp für euch immer wieder ganz vorn dabei.

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