Thomas Schumacher im Interview: „Das Reisen und der ständige Kontakt zu Menschen, die sich für Musik begeistern, das ist es“

Bereits im Frühjahr – um genauer zu sein am 04. April – veröffentlichte Thomas Schumacher sein bereits sechstes Studioalbum „Stand Up“ auf seinem eigenen Label Electric Ballroom. Der gebürtige Bremer ist unter anderem bekannt durch sein Projekt „Elektrochemie LK“. Im Jahr 2000 erhielt das Musikvideo zu „Elektrochemie LK – Schall“ den German Dance Award für das beste Video des Jahres.

Vor einigen Jahren hat er bei der Produktion für die Musik einer Hamlet-Inszenierung des Bonner Schauspielhauses mitgewirkt. Im Jahre 2012 hingegen steuerte er einen Remix („Wavedancer“) zu Monika Kruses Album „Traces“ bei. Er beweist immer wieder Vielseitigkeit. Diese bringt er auch in seinem neuen Album „Stand Up“ zum Ausdruck.

Im Rahmen der Veröffentlichung des Albums „Stand Up“ und der Single „Is Your Kettle On?“ in Zusammenarbeit mit Chelonis R. Jones erhielten wir die Möglichkeit, ein Interview mit Thomas Schumacher zu führen.

Thomas Schumacher

Hallo Thomas. Am 04.04.2013 erschien dein 6. Studioalbum „Stand Up“ auf deinem eigenen Label Electric Ballroom. Hat der Titel des Albums eine besondere Bedeutung? Wie bist du darauf gekommen?

Thomas Schumacher: Auf den Titel ist meine bezaubernde Frau Caitlin gekommen. Caitlin war im Grunde genommen so eine Art Executive Producer dieses Albums. Obendrein hat sie noch einen tollen Song beigesteuert (Every Little Piece). Stand Up bedeutet für mich: Mach was aus Dir und Deinem Leben, sei aktiv, kreativ, mutig. Das Resultat kann man nun hören.

Vor sieben Jahren hast du dein letztes Album „Home“ veröffentlicht. Was hast du in dieser Zeit bis heute gemacht?

Thomas Schumacher: „Home“ war mein Abschied aus Bremen, danach sind wir nach Berlin gezogen und haben einen Deal bei Get Physical unterschrieben. Schon mit der ersten EP waren wir sehr erfolgreich und bald stand der Entschluss fest, mein eigenes Label Spiel-Zeug Schallplatten an den Nagel zu hängen und mich voll auf die Arbeit mit Get Physical zu konzentrieren. Daraus resultierte u.a. die Produktion von DJ T’s Album „The Inner Jukebox“ sowie unzählige Remixe. Darunter waren so illustre Namen wie „2Raumwohnung“ oder auch „Ich & Ich“. Im letzten Jahr habe ich meine erste Sample Collection „Berlin Techno“ veröffentlicht. Da steckt man genauso viel Arbeit rein wie in ein Album. Nebenbei bin ich dann noch mehrmals um den Globus gereist, um DJ Gigs zu spielen.

Wie hast du die Arbeit für „Stand Up“ begonnen? Wie lange hat die Produktion dafür gedauert?

Thomas Schumacher: Ganz am Anfang der Aufnahmen stand der Entschluss: Kein Druck! Ich wollte unbedingt frei von irgendwelchen Erwartungshaltungen Musik machen und das habe ich auch getan. Am Ende waren 3 Jahre ins Land gegangen und ich hatte ca. 30 Songs bzw. Layouts aufgenommen. Das schwierigste war die Auswahl der Titel. Ich habe im Studio eine Art 70min. DJ Mix aufgenommen und diese Titel sind dann auf dem Album gelandet. Ich bin ausgesprochen zufrieden mit „Stand Up“ – es ist mein bestes Album geworden!

Auf deinem Album gibt es keine Remixe von anderen Künstlern. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Thomas Schumacher: Auf dem Album nicht, da hast Du recht, aber dafür natürlich auf den Single Auskopplungen. So halte ich das grundsätzlich. Alben sind ausschließlich für original Aufnahmen. Bis jetzt bin ich auf jeden Fall total glücklich mit den Remixen gewesen. Ob nun AKA AKA, Hot Since 82, Kris Menace oder Simian Mobile Disco – alle haben sich richtig ins Zeug gelegt, das kann man hören!

Wie würdest du selbst deine Musik, insbesondere dein neues Album beschreiben?

Thomas Schumacher: Der Sound ist roh, dabei jedoch sehr organisch. Ich habe auf „Stand Up“ sehr viel mit Samples gearbeitet, auch was die Drums und Percussion angeht. Dadurch hat man direkt so eine Art gesundes Grundrauschen am Start, darauf stehe ich sehr. Ausgesprochen glücklich bin ich über die Kollaborationen mit Chelonis und Caitlin. Diese beiden Songs bedeuten mir sehr viel und sind auch deshalb zu Singles auserkoren worden. Natürlich wäre es kein Schumacher Album mit ein paar richtigen „Schubern“ so wie „Fangbanger“ oder auch „Banshee“ – es macht wahnsinnig Spaß, diese Tracks im Club oder auf Festivals zu spielen. Das „Stand Up“ am Ende so rund klingt, hat mich dann vollkommen begeistert.

Am 21.06.2013 erschien in Zusammenarbeit mit Chelonis R. Jones deine neue Single „Is your kettle on?“. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Chelonis R. Jones?

Thomas Schumacher: Ich habe 2005 einen Remix für Chelonis gemacht, das war der „Erstkontakt“. Danach sind wir Label-Mates auf Get Physical geworden und ich habe seine Veröffentlichungen mit großer Begeisterung verfolgt. Er stand auf meiner Liste potentieller Gast Sänger für „Stand Up“ ganz weit oben. Ich habe ihm dann ziemlich zu Beginn der Aufnahmen ein Playback geschickt – total langsam, 95BPM, spärlich instrumentiert, lediglich ein old school 808 Beat der den Song antreibt. Dazu habe ich ihm ein paar Ideen zum Song mitgeschickt. Innerhalb von 48 Stunden bekam ich den Song mit kompletten Vocals zurück. Das was ich da gehört habe, hat mich förmlich umgehauen. Dieses Falsett im Gesang und dazu noch sowas von ausdrucksstark – eine ganz große Leistung von Chelonis.

Welche Erfahrungen oder außergewöhnlichen Erlebnisse haben dich in deiner Zeit als Künstler besonders geprägt?

Thomas Schumacher: Das Reisen und der ständige Kontakt zu Menschen, die sich für Musik begeistern, das ist es. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und mir fällt es leicht, neue Leute kennen zulernen. Kaum bin ich irgendwo angekommen, schon fühle ich mich wie zu Hause, tauche ein in fremde Kulturen, genieße die Andersartigkeit. Das hat mich schon immer sehr geprägt. Meine Zeit in Tokyo, wo ich 1 Jahr gelebt habe, war mit am prägendsten. Ich habe dort so viel gelernt, auch über mich und ich habe meinen Freunden dort viel zu verdanken. Eine großartige Kultur.

Thomas Schumacher

Es ist Sommer, die Zeit in der man unter freiem Himmel tanzen gehen kann. Bevorzugst du eher den gemütlichen Club oder ein luftiges Open Air?

Thomas Schumacher: Ich würde sagen, die Mischung macht’s. Wobei ich am Ende des Tages die Intimität eines Clubs der Größe einer Festival Bühne vorziehen würde. Zum Glück muss ich mich da nicht entscheiden.

Bleibt neben deinem Künstler-Dasein noch genug Zeit für Privatleben? Wie kann man sich bei dir einen Wochenablauf vorstellen?

Thomas Schumacher: Es liegt an mir, dass ich mein Leben so einteile, so dass mein Privatleben nicht zu kurz kommt. Ich habe ja auch eine Tochter und da ist es für mich selbstverständlich, dass ich Freiräume für uns schaffe. Das bedeutet unter anderem auch, dass ich nach einem langen Wochenende mit mehreren Gigs und viel Rumgereise Montags morgens mit am Frühstückstisch sitze und meine Tochter zur Schule bringe. Danach lege ich mich allerdings wieder ins Bett! :-D Ansonsten halte ich es wie im „normalen“ Leben unter der Woche. Ich bin von ca. 9-17h im Studio und danach heißt es: Family & Friends.

Wie ziehst du dich aus dem Alltag zurück und womit kannst du am besten abschalten?

Thomas Schumacher: Früher habe ich viel gelesen, in den letzten Jahren koche ich lieber. Kochen und musizieren, da gibt es so viele Gemeinsamkeiten. Außerdem, und das ist jetzt kein scherz, bügel ich gerne. Das hat für mich schon was meditatives! Hahaha.

Vielen Dank für dieses ausführliche Interview. Kommen wir zur letzten Frage: Worauf dürfen wir uns in Zukunft freuen? Gibt es da schon Pläne?

Thomas Schumacher: Die Album Tour geht natürlich noch weiter, ich hatte gerade ein paar großartige DJ Gigs u.a. in Hong Kong, Paris, Oslo und München. Es wird sicherlich noch 1-2 weitere Singles vom Album mit Remixen geben, danach die Deluxe Version von „Stand Up“ mit sämtlichen Remixen und unveröffentlichten Tracks. Ich plane bereits das nächste große Projekt, einen sehr speziellen DJ Mix der Ende Jahres erscheinen wird.

Das Interview führte Claudia Thiem.

Über Claudi

Claudi wird euch ab sofort an ihrer Liebe zur Musik teilhaben lassen und euch des Öfteren mit wertvollen Informationen und Berichten auf dem Laufenden halten. Bereits im Jahr 2008 entfachte die große Leidenschaft zur elektronischen Musik, hervorgerufen durch befreundete DJs. Wenn sie nicht gerade hinter dem Schreibtisch sitzt und im Papierkrieg versinkt, dann vergnügt sie sich auf Partys, Veranstaltungen oder Festivals in diversen Städten. Eine bestimmte musikalische Richtung bevorzugt sie nicht. Egal ob treibende, kraftvolle Beats oder ein paar harmonische Melodien, sie mag Abwechslung, ist offen und entdeckt gerne neue Sachen.

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