Zu Besuch im Leipziger Institut fuer Zukunft

Das Institut für Zukunft, kurz IfZ, sorgte bei seiner Eröffnung 2014 (und auch jetzt noch) mächtig für Furore in der Messestadt Leipzig. Kein Wunder: Angeblich Einlasspolitik, Kameraverbot, Darkrooms. Ganz neue Aspekte für die Clubkultur in unserer Region.

Institut fuer Zukunft

Schon lange hatte ich einen Besuch im Institut fuer Zukunft geplant. Vor Kurzem setzte ich das Ganze in die Tat um, um dem neuen Mythos auf den Grund zu gehen. Es war Samstag, der 28.11.2015. Ich fuhr gegen 21 Uhr in Chemnitz los und besuchte zu vor noch einen guten Kumpel in Leipzig. Der wollte aber leider nicht mit ins IfZ.

War trotzdem schön, ihn nach langer Zeit mal wieder zu sehen. So bin ich von ihm aus kurz nach 0 Uhr gestartet und war gegen 0.30 Uhr auf dem Gelände des Kohlrabizirkus (frühere Großmarkthalle der Stadt Leipzig, die heute als Veranstaltungshalle genutzt wird). Auf dem großen Platz davor fand gerade noch ein illegales Autorennen (oder Tuningtreffen?) statt. Sachen gibt’s…

Erst einmal fragte ich mich, wo ich jetzt genau hin muss. Doch es kamen schon einige „Techno-Pilger“ und liefen ziemlich zielgerichtet eine Treppe nach unten. Nichts wie nach, hieß es für mich. Und siehe da, es stand auch schon eine kleine Schlange von Leuten vor dem Club. „Gut, dass ich relativ zeitig hier bin“, dachte ich mir. Das erhöht natürlich auch die Chance nicht abgewiesen zu werden.

Nach ca. 10 Minuten stand ich dann vor den Türstehern. Diese waren recht freundlich und fragten nur, ob ich alleine da bin und ob ich das erste mal da wäre. Beides bejahte ich. Ich bekam noch ein paar Anweisungen mit auf den Weg (keine Fotos usw.), den obligatorischen Stempel, wurde „gefilzt“ und schwups war ich drin. Etwas erleichtert war ich schon. Doof, wenn ich hätte wieder umdrehen dürfen.

So, nun erst einmal orientieren. Wo ist hier was? Garderobe finden und Jacke abgeben. Nach kurzer „Akklimatisierung“ fand ich mich dann doch recht schnell zurecht. Klar, es ist alles bisschen verwinkelt und dunkel, aber insgesamt hätte ich mir die Location etwas größer vorgestellt. Alles wirkt recht kühl und spartanisch eingerichtet.

Man läuft direkt über den Mainfloor, wenn man zur Bar will. Von einer Treppe, die hinauf zur Bar geht, hat man einen faszinierenden Blick auf die tanzende Meute. Auch am besagten Darkroom kam ich vorbei. Da war jedoch gähnende Leere (wahrscheinlich war’s noch zu früh). Bierchen geholt und weiter bisschen rumgestreift.

Floor 2 machte auf mich einen eher unspektakulären Eindruck. Hier lief eben auch die wesentlich ruhigere Musik. Also konnte es nur ein Ziel geben: Mainfloor. Hier war schon ganz ordentlich was los und in Sachen Musik ging’s schon richtig zur Sache. Nix mit Warmup.

Ein Resident war an den Decks. Dunkel, neblig, geflieste Wände und perfekter Sound. Egal, wo man steht, es klingt nahezu überall gleich gut. Was für ne geile Anlage! Technoherz, was willst du mehr? Das Publikum empfand ich auch als recht angenehm. Keine Poser, Prolls, Modepüppies usw. Sondern einfach feiernde Technojünger. Achja und ein knutschendes Schwulenpärchen mitten auf der Tanzfläche. Auch an sowas darf man sich hier nicht stören. In der heutigen Zeit ist man ja tolerant und einiges gewöhnt. Techno vereint.

Inzwischen war auch mein Feier-Gefährte angekommen. Schön, nicht mehr ganz alleine hier zu sein. Recht pünktlich um 2.30 Uhr legte der Mainact Function von Ostgut Ton los. Straighter, groovender Techno mit Tiefgang. Er lieferte die erwartete Qualität ohne Einschränkungen ab. Der Floor war nun gut gefüllt, aber nicht überfüllt. Angenehm. Ab und zu schaute ich nochmal auf Floor 2 vorbei. Dieser war hingegen brechend voll, aber dort wurde ich einfach nicht warm mit der Musik. Nach Function nahm ich noch eine halbe Stunde von Black Nakhur mit und gegen 5.45 Uhr verließ ich den Club. Ich musste ja schließlich auch noch heim fahren.

Mein Fazit: Das IfZ hat mich in seinen Bann gezogen und ist eine Top-Alternative zur Distillery und vielleicht sogar zum Berghain. Zumal sicher auch aufgrund der noch jungen Geschichte noch Luft nach oben ist. Ich bin auf die weitere Entwicklung des Clubs gespannt und werde definitiv wieder einmal vorbei schauen.

Wart ihr schon einmal im IfZ? Wie ist eure Meinung? Kommentare erwünscht.

Über Martin

Martin, IT-Spezi aus Chemnitz mit Liebe zur elektronischen Musik, unterstützt seit 2013 replay. Er steht zurzeit total auf härteren, düsteren Sound von Labels wie CLR, Drumcode oder Dystopian. Demnach hat er es sich zum Ziel gesetzt, vor allem den Bereich Techno voran zu treiben. Dabei ist er aber auch immer offen für andere Genres der elektronischen Musik. An den Wochenenden stürzt er sich gerne ins nächtliche Getümmel der verschiedensten Locations, um mit Freunden zu feiern.

3 Gedanken zu „Zu Besuch im Leipziger Institut fuer Zukunft

  1. Nachtimal1990 schreibt:

    1

    Hey lieber Martin ,
    Zu allererst muss ich dir sagen , das dass echt ein sehr sehr schön-geschriebener Bericht vom IFZ ist ! Echt Daumen nach oben :) tolle Wortwahl & voll zum eintauchen irgendwie geschrieben , danke !

    Ich war leider noch nicht im IFZ. Habe aber auch schon in meiner Szeene der Technoiden mehrfach gehört, das der Sound der Kirsch-Audio einfach nur der Wahnsinn sein soll. Ein Aspekt, der mich nur zugern mal in diese Katakomben führen sollte .

    Das IFZ hat es dieses Jahr sogar auf „Bronse“ in der Groove geschaft als besten Club . Na Hut ab , bin gespannt wie die Technostratosphäre dort weiter zu atmen sein wird auch ohne harte Türpolitik ;)

  2. Enttäuschter schreibt:

    3

    Geile Location und fetter Sound – leider ist die Türpolitik nicht nur hart, sondern auch willkürlich und launisch. Wenn man sich umsonst angestellt hat und an dem Abend keine Party hatte, es dann bei der nächsten Party aber wieder rein schafft, behält man trotzdem immer die Ungewissheit, ob die Vorfreude auf die nächste Party sich überhaupt lohnen wird. Wer sicher gehen will, dass er an dem Abend auch wirklich tanzen kann, geht zur Konkurenz.

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